Peter Holland betreibt Saftherstellung in Ulfen

Besuch in der Mosterei: Wie aus Äpfeln frischer Saft entsteht

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Sortiment wird größer: Peter Holland und Kay Vogt bauen das Geschäft immer weiter aus – neben Apfelsaft (links im Bild) werden Weine und Apfelcider verkauft.

Auf den ersten Blick vermutet man nicht, dass das liebste Hobby des groß gewachsenen, tätowierten Mannes mit diversen Piercings im Gesicht die Herstellung von frischem Apfelsaft ist. Peter Holland hat seine Begeisterung für das Mosten zufällig nach einer Wohnungsbesichtigung in Ulfen erkannt. Im vergangenen Jahr produzierte der ausgebildete Rettungsdienstler knapp 45 000 Liter Apfelsaft. Der Kundenkreis wächst stetig.

Begonnen hat alles mit der Wohnungsbesichtigung auf einem Bauernhof in Ulfen. „Meine damalige Vermieterin Hilde Endele hat im kleinen Stil Apfelsaft hergestellt. Das fand ich sofort interessant“, sagt Holland. Als sie mit zunehmendem Alter immer weniger mit den teils schweren Arbeiten zurecht kam, half der neue Mieter, wo er konnte. Im Jahr 2012 meldete Holland ein Gewerbe an. Heute gehört ihm das Haus mit integrierter Mosterei. In der zweimonatigen Hauptsaison der Apfelernte – zwischen September und Mitte November – ist Holland täglich mit Mosten beschäftigt. Unterstützt wird er dabei von seinem Kumpel und Angestellten Kay Vogt. Auch Hilde Endele ist weiter beteiligt.

Äpfel werden von Hand gewaschen

Sein Angebot hat sich schnell herumgesprochen – mittlerweile erreichen Peter Holland Anfragen zur Saftgewinnung selbst aus Thüringen und den Nachbarlandkreisen. Und das funktioniert so: Die Kunden liefern ihr Obst selbst in Ulfen an. In Säcken verpackte Äpfel lagern in einem angrenzenden Raum ungefähr einen Tag, bis sie weiterverarbeitet werden. Im Hof vor der Mosterei werden sie von Hand gewaschen. Faule Exemplare sortieren Holland und sein Team aus. „Das ist wichtig für den Geschmack und die Qualität des Saftes“, sagt der Experte, „denn da ich gänzlich auf Zusatzstoffe verzichte, dürfen nur die besten Früchte verarbeitet werden.“ 

Wie aus Äpfeln frischer Saft entsteht

Margod Möller aus Krauthausen ist eine von Hollands Stammkunden. Sie kommt jedes Jahr, um ihre selbstgepflückten Äpfel zu frischem Saft verarbeiten zu lassen. „Das geht hier alles viel schneller und macht nicht so viel Unordnung“, sagt sie. Zuhause kocht Möller den Saft selbst ab, um ihn haltbar zu machen. Ihr Geheimnis: Den Äpfeln fügt sie ein paar Birnen bei, des Geschmacks wegen. Nach einer berauschenden Apfelernte im vergangenen Jahr (45 000 Liter) rechnet Holland in diesem Jahr mit einem Ertrag von etwa 30 000 Litern – eine „außerordentliche Ernte“ gäbe es nur alle zwei Jahre.

Aus ehemaligem Stall wurde Mosterei

Klebrige Angelegenheit: Kay Vogt hilft Holland bei der Saftherstellung in Ulfen.

Das Innere der Mosterei – eine ausgebaute Stallung – wird größtenteils von der mächtigen Saftpresse eingenommen. Die kann bis zu 220 Kilogramm Äpfel gleichzeitig verarbeiten. Heraus kommen circa 160 Liter. Zuvor zerkleinert eine Mahlanlage die Früchte zu grobem Apfelbrei. Weil jeder Kunde nur den Saft aus den eigenen Äpfel erhält – oftmals ein ausdrücklicher Wunsch – presst die Presse aber fast immer nur kleinere Mengen. Wie Holland in den vergangenen Jahren festgestellt hat, kommen immer mehr junge Menschen auf den Geschmack von frisch gepresstem Apfelsaft. „Ich habe in der Umgebung sozusagen eine Marktlücke entdeckt.“ Sein Geschäft rüstet der Safthersteller nach und nach technisch auf. Erst kürzlich schaffte er einen neuen Plattenwärmetau-scher an. Hierin wird der frisch gepresste Saft schonend auf 80 Grad erhitzt. Das macht ihn haltbar. Andernfalls würde er nach spätestens vier Tagen anfangen zu gären. Laut Holland bleiben Vitamine und Mineralien auch während des Erhitzungsprozesses größtenteils erhalten. Er sagt: „Ich werde oft gefragt, ob meine Produkte chemische Zusätze enthalten. Darauf verzichte ich komplett. Der Kunde erhält wirklich nur den frisch gepressten und anschließend erhitzten Saft.“ Noch in warmem Zustand wird der Saft in Fünf-Liter-Beutel abgefüllt und zum Abtransport verpackt.

Auch Weine im Angebot

Peter Holland konzentriert sich nicht ausschließlich auf die Herstellung von Saft, sondern hat sich seit seinen Anfängen auch in Wein probiert. Nach mehreren Jahren im Geschäft umfasst das Sortiment heute Apfelcider und Apfel-, Erdbeer-, Sauerkirsch-, Trauben- oder Quittenwein. Anfangs mag der Anblick der beiden tatöwierten Männer, die mit großer Leidenschaft Äpfel verarbeiten, vielleicht verwundern. Schnell ist klar: Hier wird mit viel Leidenschaft gearbeitet.

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