Zu gehen tut ihm nicht weh

Sontras Bürgermeister Karl-Heinz Schäfer ist mit seiner Amtszeit zufrieden

Abschied nach zwölf Jahren: Sontras scheidender Bürgermeister Karl-Heinz Schäfer schließt gestern symbolisch zum Ende seiner Amtszeit das Rathaus ab. Zurück kommt er nur noch, wenn er ausdrücklich darum gebeten wird. Fotos: Deppe

Sontra. Karl-Heinz Schäfer zieht einen Schlussstrich. Nach und nach zu gehen, sei der falsche Weg, sagt der scheidende Bürgermeister. Ins Sontraer Rathaus will er daher nur noch zurückkehren, wenn sein Nachfolger Thomas Eckhardt ihn anruft und darum bittet. „Jetzt ist seine Zeit“, sagt Schäfer. Er selbst sei fortan ein Fossil.

In seinem Amtszimmer sind die Regale geräumt, viele Unterlagen hat er geschreddert. Geleerte Ordner hat er auf den Kopf gestellt, als Zeichen für seinen Nachfolger. Was bleibt sind weniger Zettel, als vielmehr Erinnerungen. Zu gehen tue ihm nicht weh, sagt Schäfer. Dass nicht alle von ihm mitgetragenen Projekte abgeschlossen seien, sei ganz normal. „Eine Kaserne verkauft man nunmal nicht innerhalb von zwei Wochen“, sagt Schäfer. Als eine der letzten Amtshandlungen gab er in dieser Woche noch Brandschutzarbeiten in Auftrag. Die nächsten Schritte müsse nun eben ein anderer tätigen. Das Vertrauen in den von ihm unterstützten Eckhardt ist da.

Entscheidend war für Schäfer immer eine gut funktionierende Zusammenarbeit in der Verwaltung. „Die Mannschaft hier macht die Arbeit, ich halte nur in letzter Instanz den Kopf dafür hin“ sagt er, „ein Loch in der Straße mache schließlich nicht ich, sondern der Bauhof zu.“

Rückblickend ist der 65-Jährige mit seiner Amtszeit zufrieden. Außerhalb von Sitzungen habe er stets Bürgernähe gesucht. Manch eine Stippvisite zum Geburtstag ist für den in der Kupferstadt aufgewachsenen Schäfer ein Ausflug in die eigene Kindheit gewesen. Manchmal wurde aus einem solchen Termin auch spontan eine Bürgerfragestunde.

Nicht immer war seine Amtszeit jedoch von Harmonie geprägt. Heftige Auseinandersetzungen in den Stadtverordnetenversammlungen setzten ihm zeitweise auch gesundheitlich zu. „Der Arzt sagte damals, das kommt vom Stress“, erinnert er sich. Ans Aufgeben habe er aber zu keinem Zeitpunkt gedacht.

Jetzt will er, auch um sich selbst zu schonen, ein paar Gänge zurückschalten. Zwölf Jahre habe er das Amt über alles gestellt und seiner Familie viel Verzicht abverlangt. Seiner Frau Ursula, den beiden Söhnen und den zwei Enkelkindern möchte er mehr Zeit widmen. Er freut sich darauf, Gelegenheit zum Lesen zu haben, unter anderem liegt eine Theodor-Heuß-Biographie („Der hat mich einfach als Mensch fasziniert“) bereit. Ausdauersport, wie während seiner über 30 Jahre währenden Laufbahn bei der Bundeswehr, möchte er bald wieder betreiben. Außerdem habe er als gelernter Werkzeugmacher natürlich eine gut ausgestattete Werkstatt. „Da wird es noch einiges zu reparieren geben.“

Vorher geht es aber noch auf eine letzte Reise im Amt. Schäfer besucht Sontras Partnerstadt Vimoutier, dann habe er „Haus- und Hofdienst“, weil sein Sohn mit Familie in die Türkei fährt.

Von Lasse Deppe

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