Ein großes Stück Weltausstellung steht in Sontra

Eher unscheinbar: Das „Ami-Haus“ von Sontra.

Sontra. In Sontra steht ein Haus, das einmal Teil der Weltausstellung 1900 in Paris war. Über Rittershain gelangte das Gebäude schließlich nach Sontra.

Die Geschichte der alten Berg- und Hansestadt Sontra liegt Rentner Karl-Heinz Kessler besonders am Herzen: „Mich interessiert vor allem die Zeit, von der es noch Augen- und Zeitzeugen gibt, ich trage dann die Geschichte zu einem Ganzen zusammen“, erklärt Kessler. „Viele Geschichten und Fakten sind den Einwohnern gar nicht mehr bekannt.

Das Blockhaus steht heute im Bereich der „Lehmkutten“, in dem im Mittelalter Lehm abgebaut wurde. 1900 wurde die Fläche, nachdem die Lehmvorkommnisse aufgebraucht waren, zu einem Baugebiet ausgeschrieben, mehrere Häuser wurden daraufhin im Neues Tor und Torweg erbaut. „Mein Elternhaus steht nicht weit weg vom Blockhaus, deshalb war dabei mein Interesse dafür schon immer groß“, so Kessler weiter. Das Blockhaus stand ursprünglich auf dem Waldgut und Schloss Rittershain zwischen Erkshausen und Rockensüß und war 1900 Teil der Weltausstellung in Paris.

„Die Amerikaner hatten auf dieser Ausstellung einen ganzen Straßenzug mit für die damalige Zeit typischen Holzhäusern aufgebaut, den Amerikanern war danach ein Abbau und Rücktransport zu teuer und verkaufte die Häuser“, recherchierte Karl-Heinz Kessler die Geschichte. Curt von Biedenfeld, der Sohn des damaligen Besitzers von Rittershain, war mit einer reichen Deutsch-Amerikanerin verheiratet und erwarb eines der ausgestellten Häuser.

So kam das Haus von Paris nach Rittershain und wurde dort neu aufgebaut, mit seinen zwölf kleinen Zimmern diente es dem hessischen Hochadel und vielen Jagdgesellschaften als Gästehaus.

Nach dem Tod von Curt von Biedenfeld in 1910 erwarb Hilmar Freiherr von der Recke den Besitz Rittershain und verkaufte das Blockhaus an drei Familien aus Sontra, die das Blockhaus im Torweg wieder neu aufbauten. „Die Mutter von Fritz Kurz erzählte mir, wie sie unter Anleitung von Zimmerleuten ihr neues Haus wieder aufbauen mussten“, so Karl-Heinz Kessler. Seit über 100 Jahren ziert das Blockhaus nun das Sontraer Stadtbild.

Die Geschichte zum „Ami-Haus“, wie das Blockhaus heute noch genannt wird, recherchierte Karl-Heinz Kessler für eine Ausgabe von „Rund um den Alheimer“, das vom Geschichtsverein des Altkreises Rotenburg jedes Jahr veröffentlicht wird. Zur neuen Ausgabe hat Kessler eine Geschichte über das Gut Welda beigesteuert, die man in Sontra bei Moogs zum Preis von 8,50 Euro erwerben kann. (sb)

Kommentare