150 Tiere aus 70 Arten

Große Schlangen und kleine Schweine: Besuch im Sontraer Reptilienzoo

Sontra. Würmchens Name ist ein wenig irreführend. Denn von einem wirbellosen Kleintier kann bei dem Königspython keine Rede sein. Gefahr geht von ihm aber nicht aus. Deswegen lässt Michèle Klappert vom Reptilienzoo in Sontra mutige Besucher die junge Würgeschlange auch schon mal auf die Hand nehmen.

150 Tiere aus 70 verschiedenen Arten werden auf dem kleinen Gelände am Waldrand gepflegt, aufgepäppelt, versorgt und eben auch ausgestellt. Denn neben dem täglichen Zoobetrieb dienen die Räumlichkeiten auch als Auffangstation für beschlagnahmte Tiere oder solche, die von ihren Besitzern nicht weiter gehalten werden konnten. „Es gibt Fälle, da haben Pärchen eine Schlange abgegeben, weil sie ein Baby erwarten und ihnen die Tierhaltung zu gefährlich wurde“, sagt die gelernte Zootierpflegerin Klappert. In anderen Fällen wurden die Besitzer krank. Gerade bei exotischen Tieren findet sich nur schwer ein Abnehmer im Bekanntenkreis. Viele der Tiere brauchen nicht nur außergewöhnliche Pflege, sondern auch eine Menge Platz.

Traurig ist das Schicksal eines Mississippi-Alligators. Gemeinsam mit anderen Tieren wurde er in verwahrlostem Zustand bei einem Zirkus beschlagnahmt. Die Reptilien hatten sich vor Hunger so ineinander verbissen, dass dem Tier jetzt ein Bein ganz und zwei weitere teilweise fehlen. „Der soll jetzt bei uns noch in Ruhe seinen Lebensabend genießen“, sagt Klappert. Dieser Plan gilt nicht für alle Tiere. Für einige werden ständig neue Besitzer gesucht. Für sie sieht sich der Zoo als Zwischenstation. „Bevor wir ein Tier in private Hände geben, wird der neue Besitzer von uns aber genau geprüft“, sagt Klappert. Gespräche werden geführt, notwendige Genehmigungen geprüft.

Weil allein die Reptilien nicht ausreichen, um genug Besucher anzuziehen – der Zoo finanziert sich ausschließlich über Spenden und Eintrittsgelder – wurde das Angebot erweitert und auch reptilienfremden Arten Platz eingeräumt. Jetzt toben in den Außengehegen Erdmännchen, Minischweine und Bennett-Kängurus umher. Bei Letzteren kann man mit Glück sogar mal den Nachwuchs erblicken, der, wie es sich für ein Känguru gehört, immer mal wieder neugierig aus dem Beutel der Mutter blickt. Spannend, nicht nur für Kinder.

Reptilienzoo Sontra, Mühlbergstraße 12, Do-So, 10 bis 18 Uhr.

Minischwein, Königspython und Baby-Känguru: Besuch im Reptilienzoo in Sontra

Von Lasse Deppe

Rubriklistenbild: © WR/Deppe

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