Sontraer Stammtisch gibt es seit 60 Jahren

Huschke 13 verändert die Welt

Heute sind es nur noch elf: (von links) Werner Schaffstein, Georg Gernhardt, Horst Rechtenbach, Karl Gernhardt, Franz Otto Kunze, Jürgen Weber, Dr. Johannes-Bodo Gräwe, Karl Bodenstein, Theodor Krause und Fritz Kaese. Es fehlt Wolfgang Tätzsch. Foto: Stück

Sontra. In einem sind sich die Männer einig. Früher war nicht alles besser - nur anders. Trotzdem schwelgen die elf Männer gerne in der Vergangenheit. Denn diese Vergangenheit - besonders in Sontra - haben die Stammtisch-Mitglieder geprägt.

„Vom Stammtisch aus haben wir die Welt verbessert“, merkt Franz Kunze selbstironisch an. Seit mittlerweile 60 Jahren trifft sich Huschke 13 - natürlich in wechselnder Besetzung. Seit 25 Jahren ist aber kein neues Mitglied hinzugekommen.

Von der Originalrunde ist heute keiner mehr mit dabei. Selbst Fritz Kaese, mit 91 Jahren der Älteste der fidelen Truppe, gehörte bei der Gründung 1953 nicht dazu. Werner Schaffstein, heute der erst zweite Präsident des Stammtisches, gehört seit 1970 der Runde an und kann auf die längste Zeit bei den Huschkes zurückblicken. Der gebürtige Westfale, der aber im Herzen tief verwurzelt mit Sontra ist. wurde durch die Bundeswehr nach Sontra gebracht.

Ihm ist besonders wichtig, dass möglichst viele Berufe am Stammtisch vertreten sind - so wie von Anfang an. „Das macht die Gespräche abwechselungsreicher“, sagt Schaffstein. Georg Gernhardt ist Maurer, Horst Rechtenbach Metzger, Karl Gernhardt Schreinermeister. Jürgen Weber ist gerade als Polizeibeamter in Rente gegangen und hatte den gleichen Beruf wie Wolfgang Tätzsch. Franz Kunze ist Optikermeister, Dr. Gräwe Zahnarzt, Karl-Heinz Bodenstein Bäckermeister, Theo Krause Speditionskaufmann und Fritz Kaese Kaufmann.

Mit 60 Jahren sind Jürgen Weber und Karl Gernhardt die jüngsten in der Runde und auch am kürzesten dabei. Kurz heißt in diesem Fall, dass beide bereits seit rund 25 Jahren Mitglied sind, beide aber gerade erst geboren wurden, als der Stammtisch aus der Taufe gehoben wurde. Gernhardt ist mittlerweile der einzige, der noch aktiv im Berufsleben steht.

Mit den Jahren sind die Stammtischbrüder - die zufälligerweise allesamt Schützen sind - ruhiger geworden. Erst wurde der Termin von Samstag auf Mittwoch verlegt, dann wurden die Treffen kürzer. Statt bis nach Mitternacht zu diskutieren, ist der Abend manchmal schon nach zwei Stunden beendet. Missen möchte die fröhliche Runde niemand der mittlerweile nur noch elf Mitglieder. Zusammenhalt und Geselligkeit sind nach wie vor beeindruckend.

Außerdem gibt es hier die besten Informationen der Stadt. Theo Krause sei immer am zuverlässigsten informiert, sagen die anderen. „Früher war der Stammtisch eine Institution, da war es eine Auszeichnung dabei zu sein“, erzählt Jürgen Weber. Heute müssten ausden Reihen der Mitglieder Vorschläge für Neuankömmlinge kommen. „Wir sehen aber im Moment niemand, der zu uns Alten passen würde“, sagt Schaffstein. Trotzdem kleben die Männer nicht an der Vergangenheit. Die Themen der unterhaltsamen Elf sind jeden Mittwoch aktueller denn je.

Von Tobias Stück

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