Aldi hat die Schließung von Tegut und die neue Konkurrenz von Lidl nicht verkraftet

Markt gibt zu wenig her

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Die letzten Einkäufe im Aldi in Sontra: Siebenmal haben die Kunden noch die Chance, an der Mühlbergstraße einzukaufen. Andere Aldi-Märkte in Reichensachsen, Eschwege oder Bebra sind über zehn Kilometer entfernt.

Sontra. Die Kunden, die vor der Aldi-Filiale in der Sontraer Mühlbergstraße ihre Kofferräume beladen, sind enttäuscht. Nach über 20 Jahren verlieren sie den ältesten Discounter in Sontra.

Die Geschäftsstelle wird zum Jahresende schließen. Silvester um 14 Uhr ist Schluss. „Wenn man alt ist, gewöhnt man sich nicht so schnell um“, sagt eine ältere Kundin und lädt eine Palette Schmand in den Kombi. An Weihnachten kommt die ganz Familie zusammen, vorher müssen alle Einkäufe erledigt sein.

Die Umsätze gehen nach Informationen der Werra-Rundschau seit Monaten zurück. Zwei Gründe sind nach Ansicht eines Insiders für die Probleme bei Aldi ausschlaggebend. Zum einen habe der benachbarte Tegut-Markt im Februar geschlossen, zum anderen hat der große Konkurrent Lidl mit seinem Markt am Niedertor viele Kunden abgegriffen.

„Lidl hat viel kaputt gemacht“, sagt die treue Aldi-Kundin, die sich nicht mehr so schnell umgewöhnen kann. Am Niedertor habe man jetzt alles auf einmal. Bäcker, Getränke, Imbiss und Drogerie sind innerhalb weniger Meter zu erreichen. Direkt vor der Tür sind über 100 Parkplätze. Das neue Einkaufszentrum von Sontra habe nicht nur Aldi, sondern auch Tegut das Genick gebrochen, sagt einer, der das Gespräch verfolgt hat. „Qualität zählt nicht mehr. Hauptsache schnell und billig“, sagt der Rentner.

Für Aldi hat der Markt in Sontra zu wenig hergegeben. Sie wollten einen neuen Standort in der Stadt. Zu Fuß sollte er zu erreichen sein und viele Parkplätze vor der Tür haben - ganz wie Konkurrent Lidl. Der Vermarkter des Hesse-Hauses in der Innenstadt hatte Aldi diesen Laden angeboten. Bisher gab es keine Einigung.

Siebenmal öffnet die Filiale noch ihre Pforten. Beliefert wird das Geschäft bisher normal. An Ein- und Ausgang hängen Schilder, dass zum neuen Jahr hier nicht mehr verkauft wird. Und ein Hinweis: Der nächste Aldi-Markt befindet sich in Reichensachsen. Das ist zehn Kilometer entfernt. Die Aldi-Märkte in Bebra, Rotenburg und Eschwege sind mindestens 14 Kilometer weg. Obersuhl wird ebenfalls geschlossen. „Um ein paar Cent zu sparen, fahre ich nicht zwanzig Kilometer. Da ist der Sprit ja teurer“, sagt die Frau und schließt den Kofferaumdeckel, hinter dem sich ihre wohl letzten Aldi-Einkäufe verbergen.

Von Tobias Stück

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