Mitarbeiter der Reptilienauffangstation kümmern sich um beschlagnahmte Tiere

+
Neuzugang: Reptilienexperte Peter Wischnewski mit einem Tigerpython in der Quarantäne-Station.

Sontra. Während früher meist Meerschweinchen, Wellensittiche und Kätzchen als Haustiere gehalten wurden, muss es heute für viele Tierhalter exotischer sein. Schlangen, Spinnen, Bartagame, Chameleons und sogar giftige Riesenkobras erfreuen sich immer größerer Beliebtheit.

„Diesen Trend haben auch die Zooabteilungen vieler Baumärkte erkannt und ihr Angebot dem entsprechend erweitert“, weiß Reptilienexperte Peter Wischnewski, der in der Reptilienauffangstation in Sontra arbeitet. Die Station ist Anlaufstelle für ganz Hessen und Thüringen und bietet Platz für etwa 800 Tiere. Die Betreiber sind spezialisiert auf Gifttiere und Riesenschlangen und schulen regelmäßig Behörden und Privatleute im Umgang mit den Tieren.

Aber was passiert eigentlich, wenn exotische Tiere ausreißen oder Halter mit den Tieren überfordert sind? „In solchen Fällen werden wir informiert“, sagt Wischnewski. Die Betreiber der Station werden pro Jahr zu mehr als 1000 Beschlagnahmungen gerufen - Tendenz steigend.

So beherbergt die Station beispielsweise einen Mississippi-Alligator, dem ein Auge und ein Bein fehlen. Grund für die Verstümmelungen sind die nicht artgerechte Haltung. „Der Alligator wurde von einem Schausteller beschlagnahmt,“, erzählt Wischnewski und ergänzt, dass die Haltung von Alligatoren in Hessen grundsätzlich verboten ist.

Auch eine Madagaska-Boa, eine Regenboa und eine Kornnatter, die vor drei Monaten auf einer Mülldeponie in Friedlos (Hersfeld-Rotenburg) gefunden wurden, leben nun in Sontra (wir berichteten). Da die Auffangstation nur über begrenzte Kapazitäten verfügt, versuchen die Betreiber die Tiere an Zoos und private Halter mit Erfahrung zu vermitteln. „Es gibt auch vernünftige Halter, aber 80 Prozent der bei uns aufgenommenen Tiere stammen aus Beschlagnahmungen, weil es den Haltern an Fachkompetenz mangelt“, sagt Wischnewski. Dem 41-Jährigen sei es egal, warum die Tiere abgegeben oder beschlagnahmt werden: „Mir ist es nur wichtig, dass die Tiere hier herkommen.“ Über die offiziellen Halter- und Tierzahlen des Regierungspräsidiums kann Wischnewski nur schmunzeln: „Die Dunkelziffer liegt deutlich höher“, sagt er. Schließlich würden Gifttierhalter ihre Tiere nicht melden, da deren Haltung grundsätzlich verboten ist. Allein die Zahl der Beschlagnahmungen belege, dass es deutlich mehr Tiere in deutschen Haushalten gibt.

Oftmals sei auch die Unwissenheit der Tierhalter Grund führ die Beschlagnahmung. Denn auch wenn es den Tieren bei ihren Besitzern gut geht, dürfen sie nun Mal nicht privat gehalten werden. Damit Tierliebhaber nicht aus mangelndem Wissen dazu gezwungen werden ihre Tiere abzugeben, wünscht Wischnewskis sich ein deutschlandweit einheitliches Gesetz. Bislang hat jedes Bundesland seine eigenen Gesetze.

Von Alia Shuhaiber

Kommentare