Heeresmusikkorps Kassel entführte Gäste beim Wohltätigkeitskonzert in ferne Welten

Musik aus dem Märchen

Against all Odds: Hauptfeldwebel Torsten Eckerle trug voller Leidenschaft das Lied als Saxophonsolo vor, mit dem Phil Collins im Jahr 1985 den Grammy-Award gewonnen hatte. Foto: W. Skupio

Sontra. „Wegen der Struktur ist die zwei weg, aber die gute Musik bleibt“, mit diesen Worten eröffnete Oberstleutnant Reinhard Kiauka, Kapellmeister und Leiter des Heeresmusikkorps Kassel, wie das ehemalige Heeresmusikkorps 2 nun heißt, das mit 350 Gästen wieder einmal ausverkaufte Wohltätigkeitskonzert im Sontraer Bürgerhaus.

Anlässlich des 200. Geburtstages der Grimmschen Kinder- und Hausmärchen hatten die Profimusiker sich das Thema Märchen und Geschichten auf die Notenblätter geschrieben, welches sich als roter Faden durch die musikalische Gestaltung des Abends zog. „Genießen Sie mit uns einen märchenhaften Abend und lassen Sie sich aus dem Alltag herauskatapultieren“, forderte Kiauka das Publikum auf. Nach dem Marsch „Unter dem Doppeladler“ ging die musikalische Reise richtig los. „Steigen Sie ein und heben Sie mit uns ab“, so Kiaukas einleitenden Worte zu Rossano Galantes „Transcendent Journey“.

Und tatsächlich brachten es die Profimusiker mit spielerischer Leichtigkeit fertig, ihr Publikum mit auf eine geistige Reise zu nehmen. Die Soldaten brachten die Klänge von „Transcendent Journey“ so gewaltig rüber, dass die Musik tief in die Herzen des Auditoriums drang. Gefesselt verfolgten die Zuschauer den Einsatz eines jeden Musikinstrumentes und vergaßen schnell den kalten Novemberabend.

Mit den „Bremer Stadtmusikanten“ nahm das Musikkorps das Thema Märchen wieder auf. Anstatt nur das Musikstück von Hayato Hirose zu spielen, las Stabsfeldwebel Micha Klappert das Grimm-Märchen vor – ganz typisch aus dem Schaukelstuhl – während der Rest des Orchesters die musikalische Begleitung der Erzählung übernahm.

Die Soldaten des Heeresmusikkorps sind jedoch nicht nur Profimusiker, sondern auch Vollblutunterhalter. Das bewiesen sie in zahlreichen Einlagen, bei denen sie es immer wieder verstanden, mit Witz und Spontanität für zusätzliche Unterhaltung zu sorgen. Beim Musikstück „Immer kleiner“ zerlegte Hauptfeldwebel Christian Schmidt seine Klarinette während er darauf spielte und das Schlagzeugregister bewies, dass es für Rythmus nur einiger Tonnen bedarf.

Künftigen Bundeswehrreformen zum Trotz versprach Kiauka zum Schluss, auch künftig in Sontra aufzuspielen. „Wir kommen einfach, egal was die Struktur macht. Wir wissen ja, wo es ist“, rief Kiauka dem begeisterten Publikum zu, welches den Auftritt des Korps mit stehenden Ovationen feierte.

Von Wolfram Skupio

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