Sontra: Bewährungsstrafe für 84-jährigen Grapscher

Sontra/Kassel. Die Kreativität des Gerichts überraschte alle. An drei langen Verhandlungstagen war darum gestritten worden, ob ein 84-Jähriger aus Sontra zwei Mädchen an die Brust gegrapscht hat - oder nicht.

Doch am Ende beantwortete das Kasseler Landgericht die Frage nicht einfach mit ja oder nein. Sondern mit „ja, aber“. Denn nur einen der beiden Anklagevorwürfe des sexuellen Missbrauchs erachtete die Strafkammer am Ende für erwiesen - und ließ den einschlägig vorbestraften Rentner deshalb mit einer Bewährungsstrafe von zwölf Monaten davon kommen. Eine solche Lösung war zuvor weder Staatsanwaltschaft noch Verteidigung eingefallen.

Das Gericht hatte keinen Zweifel, dass der Angeklagte im Herbst 2011 eine damals Zehnjährige auf offener Straße umarmt und ihr dabei unter das T-Shirt gegriffen hatte. Das Kind, sagte Richter Heiko Butenuth, habe das „in beeindruckender Weise geschildert“. Nicht auswendig gelernt, sondern in eigenen klaren Worten. Und: Die Beobachtungen einer zufälligen Zeugin passten dazu - und nicht zu der Darstellung des 84-Jährigen, der lediglich einen unschuldigen Griff um die Taille eingeräumt hatte.

Der zweite Fall sollte sich einige Monate zuvor ganz ähnlich abgespielt haben. Doch was das betroffene Mädchen - eine damals Neunjährige, die wegen Lernschwierigkeiten eine Sonderschule besucht - jetzt noch davon erzählen konnte, reichte dem Gericht nicht aus. Auch dieses Nein zur Schuld des Rentners versah die Strafkammer mit einem deutlichen Aber: „Wir sind überzeugt, dass es eine Grenzüberschreitung gegeben hat“, betonte Richter Butenuth. „Wir konnten nur nicht feststellen, welchen Inhalts diese war.“ Der Angeklagte hatte alle Übergriffe bestritten - auch den, für den er bereits 2006 einen Strafbefehl über eine achtmonatige Bewährungsstrafe akzeptiert hatte - und sich als Opfer übelwollender Dorfbewohner und der Polizei präsentiert.

Von Katja Schmidt

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