„Bei mir gibt es kein Jein“

Analyse: Sontras Bürgermeister Thomas Eckhardt blickt nach 100 Tagen zurück

Der Macher: Thomas Eckhardt ist seit 100 Tagen Bürgermeister in Sontra und ist seitdem bereits einige Themen angegangen. Foto: Deppe

Sontra. Eine Aufgabe hat Thomas Eckhardt noch nicht gelöst: Das Bild vom Dortmunder Signal-Iduna-Park, dem Stadion seines Lieblingsvereins, steht auch 100 Tage nach Amtsantritt auf dem Schrank des Bürgermeisterbüros, anstatt an der Wand zu hängen. Untypisch für den 39-Jährigen, der in den ersten Monaten seiner Amtszeit seine gesetzten Ziele stringent verfolgt. ZIELE

Überhaupt sind Ziele etwas, was Eckhardt antreibt. Er sagt über sich: „Ich gucke kaum zurück, sondern schaue, was ich als Nächstes anpacken kann.“ Schaut man auf die von ihm während des Wahlkampfes im vergangenen Jahr formulierten Aufgaben, stellt man fest, dass kaum etwas davon bislang auf der Strecke geblieben ist. Sei es die Vermarktung der Husarenkaserne oder der Ausbau des Betreuungsangebotes – Stillstand scheint in Sontra derzeit ein Fremdwort zu sein.

PARLAMENT

Zeitweise wirkt Eckhardt beinahe rastlos. Bis zu 70 Stunden in der Woche arbeite er, sagt er, mehr als die Hälfte davon im Büro. Zeit verschwendet er nicht. „Ich will mich nicht wiederholen, sondern Probleme kurz und prägnant abhandeln. Bei mir gibt es kein Jein.“ Und so sehen auch seine ersten Stadtverordnetenversammlungen aus. Keine davon länger als eine Stunde. Das sind Welten im Vergleich zu vergangenen Zeiten, wo das Parlament sich in ellenlangen Diskussionen verzettelte. Doch Eckhardt sucht den Konsens, hat nach eigenen Angaben mit allen Parteien gesprochen. „Ich wollte mir da Vertrauen erarbeiten und gucken, ob man bereit ist, einen gemeinsamen Weg zu gehen.“

IDEENWERKSTATT

Nicht nur mit anderen Parteien sucht Eckhardt das Gespräch. Mit dem von ihm initiierten Demografie-Dialog will er die Bürger Sontras mit ins Boot holen. Fast 250 kamen zu einer ersten Ideenwerkstatt. Menschen, die in der Kupferstadt etwas bewegen wollen. „Das war schon schwer zu steuern“, sagt er, „aber das Feedback war überwältigend.“

KRITIK

Was auf den ersten Blick so abgeklärt wirkt, fällt dem jungen Rathaus-Chef gar nicht so leicht. Aufgeregt sei er, wenn er vor größeren Gruppen sprechen müsse. Landrat Stefan Reuß habe ihm bei einer Rede schon mal geraten: „Langsam, Herr Eckhardt, langsam!“ Den Rat erfahrener Politiker nimmt er gerne an, mit Kritik weiß er umzugehen.

„Wenn aber manch einer immer nach dem berühmten Haar in der Suppe sucht, ärgert mich das schon“, sagt er. Da komme auch nach viel Lob eben noch ein kleines „Aber“. „Mein Unwort des Jahres“, so Eckhardt. Lange würde er sich aber nie ärgern, sondern vielmehr überlegen, was in Sontra als Nächstes getan werden müsse und da sieht er vor allem den Haushaltsausgleich für 2016 mit höchster Priorität.

Und so wird der Signal-Iduna-Park in seinem Büro noch etwas warten müssen. „Vielleicht ist das mein schwerstes Projekt“, sagt Eckhardt scherzhaft. Für den Sommer hat er jetzt zwei Wochen Urlaub an der Nordsee gebucht. Nach dem Stand jetzt hat er sich den mehr als verdient.

Von Lasse Deppe

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