Sontras Stadtbrandinspektor fordert Anlagen zur Brandbekämpfung für die A44-Tunnel

Simulierter Einsatz: Bei einer Katastrophenschutzübung im Tunnel Hirschhagen probten die örtlichen Feuerwehrleute den Ernstfall. Archivfoto: Tina Hartung/nh

Sontra. Sontras Stadtbrandinspektor André Bernhardt kritisiert das Brandschutzkonzept der Straßenverkehrsbehörde Hessen Mobil für die zwei geplanten Autobahntunnel bei Sontra und Wichmannshausen. „Wir brauchen unbedingt automatische Brandbekämpfungsanlagen. Es geht um Menschenleben", sagt Bernhardt.

Kürzlich hat er gemeinsam mit dem Landtagsabgeordneten Dieter Franz (SPD) eine solche Anlage in Jena besichtigt. Ab einer Temperatur von 240 Grad lösen Wärmesensoren Alarm und Brandbekämpfungsaktionen aus. Die Anlage leitet Rauch über ein Lüftungssystem aus dem Tunnel heraus, Flammen hindert sie durch Löschschaum an der Ausbreitung. „Es dauert 15 Minuten, bis unsere Feuerwehr bei einem Tunnelbrand ankommen würde. In dieser Zeit sind Verbrennungen bei 1000 Grad Hitze und Rauchvergiftungen für die Personen im Tunnel ohne die Anlage vorprogrammiert“, so Bernhardt.

André Bernhardt

Auf die so genannte Selbstrettung - also die Erwartung, dass die Menschen im Tunnel sich in den nächstgelegenen Notausgang retten - vertraut André Bernhardt nicht. „Bei Senioren und Kindern funktioniert das auf keinen Fall. Und auch bei Erwachsenen ist es riskant, darauf zu bauen. Bei einem Brand im Tunnel bricht in der Dunkelheit und Enge oft Panik aus“, befürchtet der Stadtbrandinspektor. André Bernhardt hofft, dass der Ernstfall nach dem A44-Ausbau nicht eintreten wird, sagt aber: „Zwischen Eisenach und Kassel gibt es dann 13 Tunnel. Ein Treffer ist wahrscheinlich.“

„Wir müssten bei einem Lkw-Brand mit 100 Ehrenamtlichen kommen, die ihre Gesundheit riskieren. Wenn die Brandbekämpfungsanlage Vorarbeit leistet, würden 25 Leute reichen“, sagt Bernhardt. Die Technik spare Personal und schütze das Bauwerk. „Nach einem Tunnelbrand dauert es wochenlang, bis der Verkehr wieder fließen kann. Außerdem kosten die Reparaturen viel Geld“, sagt Bernhardt.

Er fordert, jetzt eine Brandbekämpfungsanlage anzuschaffen, zumal auch die Verdienstausfallerstattungskosten an die Arbeitgeber der Feuerwehrleute teilweise auf das Land zurückfielen. Der Haken: Die Installation in Jena kostete laut der dortigen Stadtverwaltung zirka 16 Millionen Euro. „Grundsätzlich begrüße ich aber das Engagement André Bernhardts. Sicherheit hat Priorität“, sagt Sontras Bürgermeister Thomas Eckhardt.

Landtagsabgeordneter Dieter Franz glaubt nicht, dass die Baupläne jetzt nochmal geändert werden. Unerlässlich sei eine so teure Anschaffnung nur in längeren und stärker frequentierten Tunneln.

Das sagt Hessen Mobil

„ Für beide Tunnel gilt das höchstmögliche Sicherheitsniveau. Bei einem Fahrzeugbrand wird das Konzept der Selbstrettung verfolgt. Durch Warnsysteme zur Sperrung der Tunnelzufahrten und zum Anfahren der Entrauchungsanlagen haben Menschen Zeit, über die in kurzen Abständen angeordneten Rettungstunnel in Sicherheit zu gelangen. Kosten für eine Brandbekämpfungsanlage stehen in keinem Verhältnis zu den Sanierungskosten nach einem Brand.“

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