Schonzeiten für Füchse und Waschbären seien gefährlich für andere Tiere

Kritik an Verordnung: Ulfener Jagdpächter tritt in Rechtsstreit mit dem Land Hessen

Unzufrieden mit der aktuellen Situation: Vorsitzender der Ulfener Jagdgenossenschaft Michael Stein klagt gegen das Land Hessen und möchte eine Aufhebung der Schonzeit bei zum Beispiel Füchsen und Waschbären erwirken. Foto:  Strube

Sontra. „Viele Jäger sind mit der neuen Jagdverordnung unzufrieden. Wirklich etwas dagegen unternommen hat noch keiner. Das ändert sich jetzt", sagt Michael Stein.

Ein an das Umweltministerium gerichteter Antrag zur Aufhebung der Schonzeit bei Füchsen und Waschbären gipfelt jetzt in einer Klage gegen das Land Hessen.

Als Jagdpächter und Vorsitzender der Jagdgenossenschaft Ulfen, der rund 120 Grundstückseigentümer angehören, will Stein nicht länger untätig bleiben und mit der Klage ein Signal setzen. Er sagt: „Die am 10. Dezember 2015 unterschriebene Verordnung zur Änderung jagdrechtlicher Angelegenheiten birgt viele Nachteile. Füchse dürfen ab 2017 zwischen März und August nicht mehr bejagt werden. Auch für den Waschbären sind Schonzeiten verordnet worden.“ Der darf zwischen Anfang März und Ende Juli nicht erlegt werden. Vor Inkraftreten der neuen Jagdverordnung hatten Waschbären nur dann Schonzeit, wenn sie mit der Aufzucht von Nachwuchs beschäftigt waren.

Waschbären fressen Nachwuchs 

Die Veränderungen seien für andere Tierarten gefährlich, aber auch für den Menschen mit Unannehmlichkeiten verbunden, sagt Annemarie Schwintuchowski. „Alle am boden brütenden Tierarten, ebenso wie Hasenjunge, sind ihren Fressfeinden, wie dem Waschbär, ausgeliefert.“ Die Vorsitzende Richterin am Hessischen Finanzgericht a.D. unterstützt Stein in seinem Vorhaben und vertritt ihn aufgrund ihrer Befähigung zum Richteramt. Der Jäger ist sicher, dass das ökologische Gleichgewicht erheblich gestört wird, wenn im Frühjahr keine Möglichkeit besteht, die Population der Waschbären, zu beeinflussen.

Regelmäßige Zwischenfälle

Ungefähr alle zwei Wochen werde Stein von Dorfbewohnern kontaktiert, die Probleme mit Waschbären hätten. Weiterhelfen könne er den Menschen dann nicht, sagt der Jäger. Lediglich mit einer Lebendfalle könnte man die Tiere fangen und im Wald aussetzen. Damit werde man der Überpopulation aber nicht Herr. Wie viele Tiere in der Umgebung von Ulfen leben, kann Stein nicht genau sagen.

Die Chronik des Streits

Im Februar beantragte Stein bei der hessischen Umweltministerin, Priska Hinz, die Schonzeiten aufzuheben. Schwintuchowski denkt zurück: „Dann herrschte lange Zeit großes Schweigen. Im März habe ich beim Ministerium nachgefragt. Dort wurde uns gesagt, dass unser Antrag mit Fakten hinterlegt werden müsse.“ Nachdem Stein ausführliche Unterlagen Anfang April nachlieferte, sei wieder nichts geschehen. Mit dem Einreichen einer Untätigkeitsklage Ende Mai ist Stein den nächsten Schritt gegangen.

Einverstanden sei man mit einer Mediation - bei diesem freiwilligen Verfahren versuchen die Beteiligten, sich außergerichtlich zu einigen. Für Michael Stein und Annemarie Schwintuchowski steht aber fest: „Die Schonzeit muss aufgehoben werden.“ Die Antwort des Ministeriums steht noch aus.

Ministerium: "Jagdzeiten reichen aus"

Auf Anfrage teilt der Pressesprecher des Umweltministeriums, Mischa Brüssel de Laskay, mit: „Die Einführung der neuen Hessischen Jagdverordnung beruht auf wildbiologischen Erkenntnissen. Daher gehen wir davon aus, dass die eingeräumten Jagdzeiten für Waschbär und Fuchs ausreichen. Ausnahmen der Schonzeiten können nicht durch ein Antragsverfahren herbeigeführt, sondern müssen durch die Oberste Landesjagdbehörde festgesetzt werden.“ Zu laufenden Verfahren könne man sich zudem nicht äußern. (jpf)

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