Tag des brandverletzten Kindes: Verbrennungen und Verbrühungen verändern das Leben

Im Winter lauert die Gefahr

Höchste Konzentration: Nils Mangold zündet eine der Kerzen des Adventskranzes an. Samantha Hett steht mit dem gefüllten Wassereimer bereit, falls etwas schiefgehen sollte. Foto: Stück

Sontra. Am heutigen „Tag des brandverletzten Kindes" (7. Dezember) will Sontras Stadtbrandinspektor André Bernhardt auf diese Gefahren hinweisen. Im Winter und besonders in der Adventszeit sei das Risiko erhöht.

Heißes Wasser ab 52 Grad löst auf Kinderhaut schwere Verbrühungen aus. Im evangelischen Kindergarten Sontra weiß man um die Gefahr. Deswegen hängen immer Kühlpflaster griffbereit, falls doch etwas passieren sollte. „Oft sind Kinder wegen Sorglosigkeit Gefahren von Verbrennungen und Verbrühungen ausgesetzt“, sagt Sontras Stadtbrandinspektor André Bernhardt.

Jedes Jahr müssen allein in Deutschland mehr als 30 000 Kinder unter 15 Jahren mit Verbrennungen und Verbrühungen ärztlich versorgt werden. Etwa 6000 Kinder verletzen sich so schwer, dass sie stationär behandelt werden müssen. Mehr als 70 Prozent aller thermischen Verletzungen bei Kindern und Jugendlichen betreffen die Altersgruppe unter fünf Jahren, wobei die Verbrühung die Hauptunfallursache für thermische Verletzungen in dieser Altersgruppe ist. Gerade im Winter gibt es heiße Getränke, die für Kinder gefährlich werden können.

Uschi Schwabe, Leiterin des evangelischen Kindergartens kennt die Gefahr. Schon einmal hat sich ein Kind heißen Tee in den Ausschnitt gekippt. Kühlpflaster sind jetzt immer griffbereit. Vor den Festtagen wurden die Vorschüler der Sontraer Tagesstätte von der Feuerwehr geschult. Wie zünde ich ein Streichholz richtig an? Was muss ich beachten, wenn ich die Kerzen am Adventskranz oder am Weihnachtsbaum entzünde? Denn die Flammen üben eine große Faszination auf Kinder aus. „Woran viele Kinder nicht denken, sind die langen Haare, die schnell in den Flammen Feuer fangen können“, sagt Uschi Schwabe.

Die Kinder wissen auch, dass immer ein Eimer mit Wasser bereitstehen muss, wenn eine Kerze brennt. „Das ist die effektivste Art, ein brennendes Gesteck oder Ähnliches zu löschen“, sagt André Bernhardt. Der Feuerwehrmann empfiehlt auch, den Raum so schnell wie möglich zu verlassen und die Tür von außen zu verschließen, damit sich das Feuer nicht weiter ausbreiten kann. „Rauch ist schneller als Feuer.“

Nach Bernhardts Erfahrungen erkennen die Kinder die Gefahr von Feuer und Heißem schwieriger. Im Winter lauern weitere Verbrennungsgefahren auf Kinder, vor denen Bernhardt warnt. Die stark verbreiteten Kaminofen mit heißen Scheiben und Funkenflug seien ebenso gefährlich wie ein Fondue. Kontakt- und Fettverbrennungen drohen.

„Brandverletzungen bei Kindern verändern das Leben der ganzen Familie“, sagt Dr. Axel Hennenberger, Chefarzt der Neonatologie, der pädiatrischen Intensivmedizin und der Schwerbrandverletztenabteilung am Kath. Kinderkrankenhaus Wilhelmstift in Hamburg. „Die Verletzungen sind sehr schmerzhaft und ziehen langwierige Behandlungen nach sich, schwere Verbrennungen und Verbrühungen haben lebenslange Narben zur Folge.“ Der Verein Paulinchen berät Familien mit brandverletzten Kindern in jeder Phase nach dem Unfall. www.paulinchen.de

Von Tobias Stück

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