267 Zähne gezogen

Zahnärztin aus Sontra arbeitete für zwei Wochen ehrenamtlich in Afrika

Gemeinsam mit ihrem Kollegen behandelt die Ärztin einen Einheimischen. 

Sontra. In São Domingos, einer Kleinstadt mit rund 10 000 Einwohnern auf der größten der Kapverdischen Inseln gibt es keinen einzigen Zahnarzt. Bei größeren Beschwerden müssen Einheimische bis zu 800 Kilometer weit fahren - was sich bei einem durchschnittlichen Monatseinkommen von 250 Dollar niemand leisten kann.

Stattdessen ertragen die Inselbewohner ihre teils großen Schmerzen. Eine Gruppe von insgesamt vier Zahnärzten reiste Anfang April ehrenamtlich nach Afrika, um den Menschen zu helfen. Mit dabei war Dr. Carina Angeli aus Sontra.

Die Reise

Vom 1. bis 18. April trat die 33-Jährige erstmalig ein solches Abenteuer an. Die Ärztin mit neun Jahren Berufserfahrung sagt: „Eigentlich sollten wir in der Hauptstadt Praia behandeln, kurzfristig wurden wir dann aber doch in São Domingos eingesetzt.“

Bis die Medizinerin aus Sontra das Ziel ihrer Reise erreichte, vergingen aller-dings knapp 24 Stunden. Nahe dem örtlichen Klinikum waren die Helfer in einem Apartment untergebracht. Erstmals kennengelernt haben sich die vier Zahnmediziner im Flugzeug nach Lissabon. Für seine Verpflegung war das Team selbst zuständig. Die kompletten Reisekosten in Höhe von 3000 Euro trägt Dr. Angeli selbst.

Der Einsatz

An neun Tagen behandelten die Zahnärzte vom Morgen bis zum frühen Abend täglich etwa 35 Patienten - insgesamt 299 Personen zwischen zwei und 83 Jahren. In einem behelfsmäßig eingerichteten Krankenzimmer zogen die Mediziner 267 Zähne, füllten 144 Zähne auf und entfernten Zahnstein bei 49 Patienten. Bei zwei Jungen wurden ausgeschlagene Schneidezähne wiederhergestellt. Dr. Angeli schätzt, dass alle Behandlungen in Deutschland ungefähr 25 000 Euro gekostet hätten.

Tag für Tag standen die Patienten Schlange. Fotos: privat

„Erschreckend viele junge Menschen litten unter starker Karies. Das ist nicht weiter verwunderlich - ein Großteil der Kinder isst ständig Süßigkeiten, die dort auf den Straßen verkauft werden. Bei einem Zweijährigen waren praktisch alle Milchzähne befallen.“ Die Alten hingegen hätten erstaunlich gut erhaltene Zähne gehabt. Am zehnten Arbeitstag auf der Insel unterrichtete Dr. Angeli rund 80 Schulkinder in der richtigen Mundhygiene.

Das Fazit

„Ich würde es auf jeden Fall wieder machen“, resümiert Dr. Angeli. Für einen weiteren Einsatz möchte sie allerdings nicht noch einmal auf die Kapver-dischen Inseln reisen: „Vor Ort gab es ein paar Dinge, die nicht gut koordiniert waren.“ Als freundlich und motiviert beschreibt sie aber das Klinikpersonal. Und mit dem Fahrer, einem Einheimischen, hätte sich die Gruppe der Ärzte sogar ein bisschen angefreundet. Die Ärztin sagt: „Elias hat uns am Wochenende die Insel gezeigt. Durch ihn konnten wir Orte abseits der im Reiseführer beschriebenen Attraktionen erkunden. Ihm haben wir viel zu verdanken. “

Kommentare