Ein Abschied auf Raten

Lothar Hellwig hört im Kreistag und als Stadtverordnetenvorsteher auf

Ist stolz auf Bischhausen: Lothar Hellwig war als Berufssoldat in der ganzen Welt unterwegs. In seinen Heimatort und damit in die Nähe des steinernen Zimmermanns kehrte der gelernte Industriekaufmann aber immer wieder zurück. Fotos: Deppe

Bischhausen. Das gute an der Bundeswehr sei, dass man so früh in den Ruhestand geschickt wird, sagt Lothar Hellwig. Gut nicht nur für ihn persönlich, sondern auch für sein Dorf Bischhausen und die ganze Stadt Waldkappel.

Denn die gewonnene Zeit investierte der heute 63-Jährige vor allem darein, seine Heimat voranzubringen. Doch jetzt beginnt sein Abschied auf Raten: Bei der Kommunalwahl im März tritt Hellwig weder als Kreistagsmitglied noch als Stadtverordnetenvorsteher erneut an. Lediglich das Amt des Ortsvorstehers will er noch behalten.

Der Rückzug hat vor allem private Gründe. „Manchmal möchte man auch abends lieber die Beine hochlegen, als von einer Sitzung zur nächsten zu eilen“, sagt der gebürtige Bischhäuser. Vor allem sein Mandat im Kreistag habe die Schlagzahl der Termine massiv erhöht. Jetzt sehnt er sich danach, sein Enkelkind, das bei Hellwigs Sohn in Hamburg lebt, öfter zu besuchen. „Dreimal in einem Jahr war mir definitiv zu wenig“, sagt er und hebt hervor: „All das Engagement in fast 30 Jahren Politik, das geht nur, wenn die Familie mitspielt. Ohne den Rückhalt durch meine Frau hätte das nicht funktioniert.“

Zwei Gründe hatten Lothar Hellwig Ende der 80er-Jahre in die Kommunalpolitik gebracht. Zum einen stammt er aus einem sozialdemokratisch geprägten Haus, schon der Großvater saß in der Gemeindevertretung des damals noch eigenständigen Bischhausen. „Zum anderen ist es meine innere Einstellung, was für die Region zu machen.“

Echter Bischhäuser: Im Fachwerkhaus an der Landstraße, im Zimmer hinter dem Fenster oben links, wurde Lothar Hellwig geboren.

Und das hat er: Viele Großprojekte hat Hellwig begleitet und vorangetrieben. Stolz ist er auf das Alte Amtsgericht, das mit Mitteln der Dorferneuerung trotz manchem Gegenwind restauriert wurde, Ebenso prägend war das Jahr 2010, als Bischhausen im HR zum Dollen Dorf gewählt wurde. „Die Entscheidung damals auf dem Hessentag in Stadtallendorf – das vergisst man nie“, sagt er.

Hellwig geht mit einem guten Gefühl. Froh und stolz sei er auf das SPD-Team in Bischhausen. „Für ein breites Altersspektrum in der Partei muss man aber auch was tun und nicht warten, bis die jungen Menschen von alleine kommen“, sagt er. Gänzlich loslassen könne er ohnehin nicht. Mit Tipps und Rat wird er seinen Nachfolgern zur Seite stehen. Kurz hatte er auch überlegt, als Ortsvorsteher aufzuhören. „Aber eine Übergabe ist besser, wenn sie fließend passiert“, reflektiert er, „das Amt, mit dem es anfing, ist also auch das, mit dem es aufhört.“ Ohne Wehmut geht Lothar Hellwig nicht.

Von Lasse Deppe

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