Rotmilan laut Tierschützern in Gefahr

Bürgerinitiative zur Rettung des Stölzinger Gebirges kritisiert Windkraftpläne

Roland Dilchert

Waldkappel. Der geplante Windpark im Stölzinger Gebirge bei Waldkappel bedroht einige Tierarten, darunter den Rotmilan. Das behauptet die Bürgerinitiative zur Rettung des Waldes.

Laut eigener Aussage hat sie in drei Gutachten zu dem Park erhebliche fachliche Mängel nachgewiesen, sodass der Windparkinvestor seinen Vertrag zurückgenommen habe. Ein viertes Gutachten soll trotzdem folgen.

„Wir haben uns 2012 gegründet, setzen uns aus erfahrenen Naturschützern zusammen und kennen uns bei Artenschutzbestimmungen und auch sonst fachlich gut aus“, sagt Sprecher Roland Dilchert aus Burghofen zu der Initiative. Schnell hätten er und seine Leute festgestellt, dass ein Waldwindindustriepark im Stölzinger Gebirge zwischen Hessisch Lichtenau und Bebra wegen der dort vorkommenden Tiere mit dem Artenschutz unvereinbar sei.

„Über das Stölzinger Gebirge zieht jährlich über die Hälfte des Weltbestandes des Kranichs. Bei der Populationsdichte des Rotmilans handelt es sich hier um eine der höchsten je festgestellten in Deutschland“, so Dilchert. Auch sei der Schwarzstorch, von dem es nur 600 Brutpaare in Deutschland gebe, vereinzelt vertreten. Zudem komme in einem stillgelegten Eisenbahntunnel bei Bischofferode eine der höchsten Bestandsdichten der bedrohten Fledermausart „Graues Mausohr“ vor.

Investor habe Antrag zurückgenommen

„2014 wurden zwei Gutachten zum Windpark des vom Windparkbetreiber beauftragten Gutachters wegen unserer festgestellten erheblichen Mängel verworfen“, behauptet Roland Dilchert. Nachdem das im Frühjahr 2016 nochmal passiert sei, habe der Investor seinen Antrag zurückgenommen. „Statt endlich zu erkennen, dass ein Waldwindindustriepark im Stölzinger Gebirge weder zulässig noch verhältnismäßig ist, soll ein viertes Gutachten erstellt werden“, sagt Dilchert.

Die Bürgerinitiative nehme gerne einen Klageweg bis zum Europäischen Gerichtshof in Kauf. Denn: „Die Verwüstung der hessischen Waldgebirge ist nach europäischem Naturschutzrecht höchst umstritten“, meint Dilchert. Dennoch möchte er betonen, dass er Energiegewinnung aus Windkraft grundsätzlich befürwortet. „Aber nicht dort, wo es nicht verhältnismäßig und der Schaden viel größer als der Nutzen ist“, relativiert er.

RP hat Verfahren ausgesetzt

„Die Windfarm Spangenberg-Stölzinger Höhe GmbH hat im März den Antrag auf Errichtung und Betrieb von zwölf Windenergieanlagen in den Gemarkungen Pfieffe, Herlefeld und Stolzhausen, Schemmern (Schwalm-Eder-Kreis und Werra-Meißner-Kreis) gestellt“, sagt Harald Merz, Sprecher des für den Vorgang zuständigen Regierungspräsidiums in Kassel. Bei einer Prüfung habe die Obere Naturschutzbehörde ergänzende Forderungen gestellt. Die Anfertigung des nötigen Gutachtens könne bis Sommer 2017 dauern. Deswegen habe das RP das Genehmigungsverfahren auf Wunsch des Antragsstellers bis September 2017 ausgesetzt.

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