Am Anfang standen 29 Eimer

Freiwillige Feuerwehr Schemmern löscht seit 125 Jahren

Schemmern. Es geht nicht nur um Brandschutz und Hilfe in allen Notlagen. Die Freiwillige Feuerwehr Schemmern steht auch für eine lange und lebendige Gemeinschaft im kleinen Waldkappeler Ortsteil. In der kommenden Woche feiert die Wehr ihr 125-jähriges Bestehen.

Freiwilliges Engagement für Andere – das sei die Seele der Freiwilligen Feuerwehr Schemmern, heißt es in einer selbst verfassten Chronik. Sich freiwillig zu engagieren ist heute keine Selbstverständlichkeit mehr, viele Wehren und Vereine haben Mitglieder- und Nachwuchssorgen. Nicht so in Schemmern, die Gruppe ist stolz darauf, immer Mitglieder und Verantwortungsträger gefunden zu haben. In der kommenden Woche feiern die Brandschützer von Freitag, 17. Juli, bis Sonntag, 19. Juli, das 125-jährige Bestehen der Ortsgruppe.

Im Mittelpunkt der Feierlichkeiten steht dann der 41. Stadtfeuerwehrtag in Schemmern am Samstag. Die Ortsgruppe hat sich dabei stets gut geschlagen, bei 40 Teilnahmen stehen 18 Siege. Passend zum Jubiläum soll ein weiterer hinzukommen. Umrahmt werden die Wettkämpfe vom Messen der Jugendfeuerwehren und einem Tanzabend, der musikalisch von den Gelstertalern begleitet wird.

Die Chronik der Schemmerner Feuerwehr erzählt eine wechselhafte Geschichte. Genau genommen musste die Wehr sogar zweimal gegründet werden. Schuld daran waren die Wirren des Zweiten Weltkrieges. Während einer Hauptversammlung 1940 erfuhren die Kameraden, dass die Feuerwehr aufgelöst und in eine Hilfspolizeitruppe umgewandelt werden würde. Diese wurde nach dem Kriegsende fünf Jahre später von den Siegermächten jedoch verboten. Erst im September 1947 konnte es in der Gaststätte Koch zur Neugründung kommen.

Eine erste Erwähnung fand die Freiwillige Feuerwehr lange zuvor: in einer Haftpflichtversicherungspolice, die auf den 1. April 1890 datiert ist. Bis dahin gab es eine sogenannte Pflichtfeuerwehr, in der jeder volljährige Einwohner verpflichtet war, bei Bränden zu helfen. Wie das aussah, kann man sich nach einem Blick in die Gemeinderechnung aus dem Jahr 1875 vorstellen. Als Hilfsmaterial waren dort neben einer Feuerspritze, zwei Leitern, zwei Feuerhaken und ganzen fünf Metern Schlauch 29 Löscheimer verzeichnet.

Die Ausrüstung der Wehr wuchs im Laufe der Jahre und wurde stets den modernen Standards angepasst. Auch die Zahl der Mitglieder stagnierte nicht. Heute sind von 136 Mitglieder 27 aktiv – und das nicht nur bei Übungen oder im Einsatz, sondern auch bei Veranstaltungen wie dem Himmelfahrtsfrühschoppen oder den bayrischen Abenden.

Wie groß das Engagement der Einsatzgruppe ist, zeigte sich schon in den 70er-Jahren. Als das Land Hessen ein neues Feuerwehrauto bereitstellte, war das alte Gerätehaus diesen Anforderungen nicht mehr gewachsen. Kurzerhand rissen die Feuerwehrleute es ab und bauten in Eigenleistung das heutige Spritzenhaus. Auch beim Umbau des ehemaligen Raiffeisengebäudes 1995 investierte die Gruppe über 3000 Arbeitsstunden und nennt seitdem eine Fahrzeughalle und einen Schulungsraum ihr Eigen.

Von Lasse Deppe

Das Festprogramm

Freitag, 17. Juli

19.30 Uhr: Festkommers;  21 Uhr: Tanzparty mit „Die frechen Engel“

Samstag, 18. Juli

12 Uhr: Jugendfeuerwehrwettkämpfe ; 14 Uhr: Wettkampfübung, im Anschluss Siegerehrung und Feuerwehrkapelle;  21 Uhr: Tanzabend mit den Gelstertalern

Sonntag, 19. Juli

10.30 Uhr: Feuerwehrgottesdienst im Festzelt mit anschließender Alarmübung;  12 Uhr: Frühschoppen mit den Suhltaler Musikanten;  15 Uhr: Kaffee und Kuchen mit den Landfrauen, Ausstellung historischer Fahrzeuge

125 Jahre Freiwillige Feuerwehr in Schemmern

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