Seniorenverpflegung

Waldkappeler Ehepaar kocht mit Herz und fürs Herz

Kochen mit Leidenschaft: Peter und Hildegard Schran vom Kasseler Hof in Waldkappel versorgen Senioren in der ganzen Region. Dafür haben sie einen Speiseplan über fünf Wochen entworfen. Foto: Deppe

Waldkappel. „Keine Petersilie für Herrn Schmidt“, „Frau Müller mag keinen Fisch“ und „Herr Schulze möchte einen rechteckigen Teller“. Hinweise wie diese kleben an einem der Schränke in der Küche von Peter Schran und seiner Frau Hildegard.

Das Ehepaar baut auf die kleinen Erinnerungshelfer, um nicht durcheinander zu kommen. Denn in der Küche entstehen täglich 50 Mahlzeiten, die díe Schrans an Senioren in der Region liefern. Der bislang sehr erfolgreichen Geschichte ihres liebevoll „Seniorenverpflegung mit Herz“ genannten Services geht ein nicht ganz so schönes Kapitel voraus. Denn den von ihm über 15 Jahre betriebenen „Kasseler Hof“ an der Hindenburgstraße hat das Ehepaar für den täglichen Betrieb vor einigen Monaten schließen müssen. „Wir haben schon seit fünf, sechs Jahren gemerkt, dass die Kundschaft weniger wird“, sagt Peter Schran. Unter anderem liege das daran, dass viele Vereine vermehrt in eigenen Vereinsheimen feiern, vermutet er. Für größere Anlässe könne man sich jedoch weiterhin im Kasseler Hof einmieten.

Ruhe kehrt in der großen Küche aber nie ein. Denn gekocht und ausgeliefert wird an sieben Tagen die Woche, auch Heiligabend muss keiner der Senioren auf eine Mittagsmahlzeit verzichten. Kochen bereite ihm einfach Spaß, sagt Schran, der die Küchenfertigkeiten während seiner Zeit bei der Bundeswehr in Hamburg lernte und in Heringen sogar einst Bundesminister Franz-Josef Strauß ein Essen bereitete.

Zu seiner neuen Passion fand der 73-Jährige durch einen Zufall. Im Seniorenbüro des Werra-Meißner-Kreises sei er gefragt worden, ob er sich nicht um ein älteres Ehepaar in Schemmern kümmern könne. Schran akzeptierte und machte sich im Internet schlau darüber, wie man Senioren bekocht. „Da ist das Schnitzel auch mal etwas kleiner, dafür die Beilage etwas üppiger“, erzählt er. Das Essen komme so „passend für jeden Schnabel“. Der Anfang war gemacht, durch Mundpropaganda und etwas Werbung wuchs sein täglicher Kundenstamm.

Wer mit den Schrans spricht, merkt schnell: Hier geht es nicht nur ums Essen. Der persönliche Kontakt ist beiden ebenso wichtig, auch wenn es dabei die ein oder andere Hürde gibt. „Ältere Leute sind Fremden gegenüber häufig etwas skeptisch, das legt sich aber meist schnell.“ Ganz automatisch kommt so zum Essensservice ein bisschen Betreuung dazu, die manchmal lebensrettend sein kann. Eine ältere Dame fand Schran mal in ihrer Wohnung auf, kurz nachdem diese einen Schlaganfall erlitten hatte. Er rief den Notarzt, die Frau konnte gerettet werden.

Und neben den wirtschaftlichen Aspekten profitiert das Ehepaar Schran auch auf andere Weise. „Das hält uns jung“, sagen beide unisono. Und das tägliche Treppensteigen sei gut für den Herz-Kreislauf. Und so ist die Seniorenverpflegung aus Waldkappel nicht nur ein Projekt mit Herz – sondern auch fürs Herz.

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