Vor 55 Jahren: Streckennetz der Deutschen Bundesbahn wird ausgebaut

Schweres Gerät: Die Tunnelröhre wurde mit amerikanischen Maschinen durchgeführt, bestaunt von Anneliese Möller. Fotos: Möller/nh

Werra-Meißner. In den Jahren 1961 und 1962 ist auch im Kreis das Streckennetz der Deutschen Bundesbahn ausgebaut worden. Zeitzeugen schildern ihre Erinnerungen.

Werra-Meissner. Wie eine Mondlandschaft wirkten die Berge des roten Ton-Sandsteinbodens, durch den sich die amerikanischen „Scraper“ und Bagger quälten. Die riesigen Räumgeräte verwandelten 1961 und 1962 einen Berg zwischen Braunhausen und Asmushausen in ein Tal. Die Ausbauarbeiten der Nord-Süd-Strecke der Deutschen Bundesbahn und damit eine der damalig größten Baustellen Nordhessens haben Karl Möller aus Rechtebach und seine Ehefrau Anneliese live miterlebt.

Experten der Bundesbahndirektion Kassel hatten damals errechnet, wie die Elektrifizierung der Nord-Süd-Strecke am kostengünstigsten zu bewerkstelligen war. Sie kamen zu der Erkenntnis, dass der Tunnel am einfachsten auf elektrischen Betrieb umgestellt werden könne, wenn der darüberliegende Berg abgetragen und die Tunneldecke aufgeschlitzt würde.

Die zu Beginn 40 Meter über der Tunnelröhre liegende Baustelle senkte sich von Woche zu Woche tiefer. „So entstand bei Braunhausen ein neues Tal. Der 300 Meter lange Tunnel ist in den Jahren 1872 bis 1875 entstanden“, sagt Karl Möller. Die Baumaschinen beförderten täglich rund 7000 Kubikmeter Erdgestein. Damals, so errechnete Bundesbahnoberrat Fritz Knickenberg, waren das 14 volle Güterzüge. Anfang 1962 hatten die Bautrupps die Decke der Tunnelröhre erreicht. Sie begannen mit der Zerkleinerung der gemauerten Röhre, um die darin nötigen Bauarbeiten durchführen zu können. Vor seinem Abbruch erhielt der Tunnel ein „Stahlkorsett“ - von innen wurde er zusätzlich abgestützt und mit Panzerplatten abgesichert. Die Tunneldecke wurde abschnittsweise gesprengt.

„Dabei kam es vor, dass abbrechenden Steine manchmal sogar in die Schornsteine der Lokomotiven fielen. Der Eisenbahnverkehr auf der Strecke lief nämlich eingleisig weiter“, zitiert Möller aus einer alten Zeitungsausgabe.

Die gesamten Bauarbeiten wurden unter massivem Zeitdruck durchgeführt. Ab März 1963 sollte die Bahn zwischen Fulda und Bebra elektrisch fahren. Weil ab Ende Mai laut eines neuen Fahrplans die Züge bis nach Hannover verkehren sollten, musste auch das Reststück Bebra-Eichenberg fertiggestellt werden.

Nord-Süd-Strecke. Verbindung zu Häfen 

1876, also vor 140 Jahren, war die Bahnstrecke von Bebra über Sontra, Eschwege-West und Eichenberg bis Friedland komplett fertig. Durch den Bau wurde eine Verbindung des Südens mit den Häfen angestrebt. Insgesamt ist die Bebra-Friedländer Bahn, wie die Nord-Süd-Strecke damals genannt wurde, eine geografisch anspruchsvolle Bahn gewesen. Das habe man an vier Tunneln erkannt, die sich auf 67 Kilometer Strecke verteilenten, sagt der Eisenbahnhistoriker Edgar Brill aus Bischhausen. Zudem waren zwei Wasserscheiden zu überwinden.

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