Das Glück an der Themse

Yasmin Jacob aus Schemmern lebt für ein Jahr als Au-pair in London

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Selten allein: Yasmin Jacob aus Schemmern (rechts) mit einer Freundin bei einem Konzert in London.

Schemmern. Yasmin Jacob aus dem Waldkappeler Stadtteil Schemmern berichtet von ihrem Au-pair-Aufenthalt in London:

Haushalt: Kochen gehört zu Yasmins täglichen Aufgaben in ihrer Londoner Gastfamilie.

Einmal im Ausland leben. Das war schon länger ein großer Wunsch. Doch ich fragte mich: „Gibt es eine günstige Art und Weise diesen zu verwirklichen?“ Bei der Recherche am Laptop stieß ich schnell auf das Stichwort „Au-pair“ und da klingelte es bei mir. Nur wenige Jahre zuvor hatte mir meine Englischlehrerin auf der Brüder-Grimm-Schule genau das doch noch empfohlen! Rasch durchsuchte ich also sämtliche Artikel über Erfahrungen, Bedingungen und Ansprüche. Das hörte sich alles direkt super an.

Für mich war klar: Ich will nach England. Und wo will man dann natürlich wohnen? Richtig, London. Da ich kein Geld für eine Organisation ausgeben wollte, schaute ich direkt auf aupairworld.net vorbei. Die Website ist hundertprozentig sicher und seriös. Ich habe dort mit vielen tollen Familien aus ganz England geschrieben, doch nicht immer passte es. Als ich eines Morgens im Mai kurz nach den meisten Abiturprüfungen aufwachte, dachte ich mir: „Mensch, Yasmin, so langsam bräuchtest du echt eine Gastfamilie.“ Und wie es der Zufall wollte, bekam ich genau an dem Tag auch eine Nachricht von meiner jetzigen Gastfamilie. Nachdem ich ihre Nachricht und ihr Profil sorgfältig durchgelesen hatte und total zufrieden war, stimmte auch die wichtigste Anforderung: Sie kamen aus London.

Nach genossenen Sommerferien und zwei Abschiedsfeiern hieß es am 22. August des vergangenen Jahres für mich: auf nach London! Die Nacht davor hatte ich kaum geschlafen, im Auto auf der Fahrt nach Frankfurt waren es 34 Grad und immer wieder fragte jemand: „Bist du nervös?“. Ob ich nervös war? Und wie! Es grenzte schon eher an Angst. Immerhin war ich mit meinem neunzehn Jahren vorher noch nie länger als drei Wochen von daheim weg gewesen. Ich hatte zudem keine Ahnung, was mich erwarten würde, wenn ich in London landete. Ist meine Gastfamilie wirklich so nett wie bei dem Videoanruf und in den E-Mails? Bin ich dem Ganzen überhaupt gewachsen? Schaffe ich es, auf Kinder einer anderen Familie aufzupassen? Mein Rat an andere: Wenn ihr euch das auch gerade fragt: Macht euch keinen Stress. Nach über fünf Monaten hatte ich nicht ein einziges Problem mit meinen zwei Gastkindern (zehn und elf Jahre alt) oder den Gasteltern.

So sieht mein Tagesablauf aus: Ich arbeite morgens zwei Stunden, in denen ich das Schulessen für den Jüngsten vorbereite und mich fertig mache, um ihn dann zur Schule zu bringen. Sobald dies erledigt ist, gehe ich mit dem Hund im sehr nahe gelegenen Victoria Park spazieren. Danach hab ich bis halb vier Freizeit. Apropos Freizeit: Oft werde ich gefragt: „Hast du denn da überhaupt noch Freizeit? Die Gasteltern arbeiten doch die ganze Zeit.“ Ja, ich habe Freizeit und die steht mir sogar rechtlich zu. Mindestens zwei Tage in der Woche muss ich als Au-pair freihaben. Das fällt bei mir immer auf das Wochenende, was total okay ist, da meine Freunde dann auch frei haben.

Noch ein Rat: Das Wichtigste ist, dass ihr eine Familie findet, mit der ihr euch auch über Videoanrufe und E-Mails super versteht. Wenn von Anfang an eine Spannung zwischen euch ist, dann wird das auch über die Zeit nicht besser. Lasst euch nicht als Haushaltshilfe ausnutzen, denn leider gibt es solche Familien auch. Höchste Priorität für ein Au Pair haben die Kinder und nicht der Haushalt.

Ich kann auf alle Fälle nur sagen, dass jeder diese Erfahrung machen sollte. Es ist zwar ein großer Schritt – man wird die Familie und die Freunde aus Deutschland besonders in den ersten Wochen sehr vermissen – doch schon nach zwei Wochen wusste ich, dass das die beste Entscheidung war, die ich hätte treffen können, obwohl mir immer wieder gesagt wurde „Mach das nicht“. Also habt keine Angst, ihr werdet neue, tolle, inspirierende Menschen treffen und schnell Anschluss finden, neue Orte sehen und vor allem unendlich viele Erfahrungen und Erinnerungen sammeln, die euch niemand mehr nehmen kann.

Von Yasmin Jacob

Zur Person

Yasmin Jacob ist 19 Jahre alt und lebt zurzeit in London. Mit ihren Geschwistern Lara und Nico ist sie in Schemmern aufgewachsen. Bis zur vierten Klasse hat sie die Karlheinz-Böhm-Schule in Waldkappel besucht, dann folgte der Wechsel zur Brüder-Grimm-Schule in Eschwege. Nach der mittleren Reife zog sie nach Eisenach und besuchte das dortige Wirtschaftsgymnasium. 2015 machte sie ihr Abitur. (lad)

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