Heimatforscher aus dem Saarland braucht Zeugen einer Evakuierungsaktion von 1939

Suche nach Schicksalen

Zwangsevakuiert: So wie dieser Familie erging es zu Beginn des Zweiten Weltkriegs rund 600 000 Menschen aus dem Saarland und der Pfalz. Sie wurden nach Mitteldeutschland gebracht, um ihre Leben zu schützen. Hier am Gedenkstein bei Harmuthsachsen. Foto: privat

Waldkappel. Die Not war groß damals. Das Denkmal wurde in einen bereits vorhandenen Wegweiser geritzt. „Zur Erinnerung an die Rückgeführten von der Saar 1939-1940“, steht neben dem Ortsschild von Harmuthsachsen geschrieben. Zwei Brüder hatten der Evakuierungsaktion vor 74 Jahren gedacht. Jetzt sucht ein Heimatforscher aus dem Saarland nach Zeitzeugen.

Zu Kriegsbeginn wurden rund 600 000 Personen aus dem Saarland und der Pfalz in sogenannte Bergungsgebiete vorzugsweise nach Mitteldeutschland (Kurhessen, Thüringen, Franken) transportiert, damit das deutsche Militär beim erwarteten Angriff der Franzosen keine Rücksicht auf Zivilisten nehmen musste und um das Leben eben dieser Zivilisten zu schützen. Alle Bewohner der sogenannten roten Zone – sie umfasste alle Ortschaften im Bereich von etwa zehn Kilometer östlich der Saar – mussten ihre Wohnungen bis zum 3. September 1939 verlassen haben. 15 Kilogramm Marschgepäck durften sie mitnehmen. Mehrere Tausend Evakuierte gelangten so in den Kreis Eschwege, viele davon wiederum in den Raum Waldkappel und Umgebung.

Der aus dem saarländischen Ensheim stammende Gymnasiallehrer Paul Glass möchte jetzt mehr wissen über den Verbleib von mehrerer hundert Evakuierter aus dem saarpfälzischen Grenzgebiet, die in Waldkappel und Umgebung Zuflucht gefunden hatten. In einem Gespräch mit einem Zeitzeugen im Saarland, hatte Glass herausgefunden, dass die Brüder des Zeitzeugen das Denkmal vor ihrer Rückreise 1940 errichtet hatten. Tatsächlich steht der Stein mit der Inschrift heute noch - direkt neben dem Ortsschild von Harmuthsachsen. Allerdings befindet sich die Inschrift auf der von der Straße abgewandten Seite und ist so nicht von der Straße aus lesbar.

Paul Glass sucht jetzt Menschen in Waldkappel und Umgebung, die ihm weitere Hinweise und zeitgenössisches Bildmaterial zur Verfügung stellen können. Wer weiterhelfen kann meldet sich unter paul.glass@ensheim-saar.de

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