WR-Serie: Mit den heimischen Landwirten durch das Jahr

Raps wird ausgesät: Unterwegs mit Landwirt Andreas Brandau

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Über Luftdruck werden die kleinen, mit einer Schutzschicht überzogenen Rapskörner auf den Acker geblasen. Verschiedene Vorrichtungen an der Maschine drücken sie ins Erdreich.

Das Zeitfenster ist kurz. Wer Raps anbaut, muss jedes kleine Detail ganz genau durchplanen. „Raps ist eine unserer risikoreichsten Pflanzen. Der Anbau muss penibel durchgerechnet werden“, sagt der Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes, Uwe Roth. Für die Aussaat eignet sich nur ein Zeitfenster von wenigen Tagen, meist Ende August.

Landwirt Andreas Brandau aus Schemmern ist gewillt, dieses Zeitfenster einzuhalten. Er ist derzeit damit beschäftigt, die Rapssaat auszubringen. Davor hat er den Boden entsprechend vorbereitet: Aufgelockert, zerkleinert, durchgemengt, mit Kalk und Gülle angereichert. „Nach ungefähr zwei Wochen ist die Ackerfläche dann bereit“, sagt Brandau. 

Mit einer speziellen Maschine werden pro Quadratmeter maximal 45 Rapskörner in die Erde gedrückt. Der Waldkappeler Landwirt rechnet damit, dass später bis zu 40 Pflanzen pro Quadratmeter heranwachsen. Sein Gerät muss Brandau so einstellen, dass die Saat möglichst genau zweieinhalb Zentimeter tief in die Erde gedrückt wird – hinter seiner täglichen Arbeit steckt viel Kalkulation. Bis ein gleichmäßiges Saatbett entsteht, müsse er bis zu fünfmal vom Traktor steigen und alles kontrollieren. „Dass wir nicht nur die Mistgabel schwingen, vergessen viele“, lacht Roth.

Rapsanbau: Erscheinung der Neuzeit

Andreas Brandau aus Schemmern sät die Rapskörner aus.

Richtig durchgesetzt hat sich der Rapsanbau laut Uwe Roth überhaupt erst in den 1980er-Jahren. Im Werra-Meißner-Kreis wird Raps auf rund 4500 Hektar Ackerfläche angepflanzt. „Das ist relativ wenig“, erklärt der Geschäftsführer. 

Erholungspause für das Getreide

Umso größer ist die Bedeutung der gelb blühenden Pflanze. Raps unterbricht die Fruchtfolge – in regelmäßigen Abständen bauen die Landwirte diesen anstelle von Getreide auf einer Fläche an. Schädlinge, die sonst Getreide angreifen, haben so keine Überlebenschance. Es entsteht eine Erholungspause für das Getreide. Außerdem belebe der Raps das Landschaftsbild. Roth sagt: „Wenn der Raps Ende April blüht, ist der Frühling endlich da.“ Dass das überhaupt erst passiert, ist vor allem davon abhängig, wie lange Tageslicht auf die junge Pflanze fällt. Egal wie groß der Raps ist, bei zehn oder mehr Stunden Tageslichteinfall beginnt die Blüte.

Nach der Aussaat Ende August wächst die Pflanze bis etwa Mitte Oktober. Dann setzt die Vegetationsruhe ein. Bis zu diesem Zeitpunkt hat die Rapspflanze acht Zentimeter lange Wurzeln und acht zarte Blätter gebildet. Die Landwirte hoffen dann auf einen nicht zu kalten Winter – Temperaturen unter minus 15 Grad überlebt der Raps nicht. Schädlich seien auch abrupte Klimaumbrüche. Ist die junge Rapspflanze einmal erfroren, bleibt jeder Rettungsversuch vergebens. Brandau sagt: „Raps ist irreparabel. Genau deshalb müssen wir Landwirte die Aussaat und alle weiteren Faktoren so genau planen. Die Planung muss bis ins kleinste Detail stimmen.“

Wieso der Rapsanbau so teuer ist und was mit der Ernte geschieht, lesen Sie in der gedruckten Freitagsausgabe. 

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