Nachfolge scheint gesichert

Urgestein verlässt die Piste: Betreiber des Gelltaler Skilifts hört auf

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Urgestein verlässt die Piste: Betreiber des Gelltaler Skilifts hört auf

Waldkappel. Das Skigebiet im Gelltal bei Waldkappel gilt als Geheimtipp für Wintersportler. Alois Frank betrieb dort 35 Jahre lang den Skilift. Schweren Herzens legt er diese Arbeit jetzt nieder.

Am Ende ging es einfach nicht mehr. Nach 35 Jahren hat Alois Frank den Betrieb des Skilifts im Gelltal bei Waldkappel eingestellt. Mehrere Operationen am linken Meniskusnerv und dem Knie zwangen den 76-Jährigen zu diesem gut überlegten Schritt, der für den Rentner eine Menge verändert. Im Winter hat Frank beinahe jedes Wochenende auf der Piste verbracht und dabei viele Freundschaften geschlossen und noch mehr Dinge erlebt. Damit ist nun erstmal Schluss. Wehmütig blickt der ehemalige Betreiber auf die vergangenen Jahre zurück. Doch ein Nachfolger scheint bereits gefunden.

Die neuen Betreiber. Stefan und Susanne Bärmann aus Waldkappel übernehmen zukünftig den Betrieb des Lifts.

„Ich stand auf Skiern, seit ich ein kleiner Junge gewesen bin. Wintersport war schon immer meine größte Leidenschaft“, sagt der Mann, der seit 1957 in Waldkappel lebt. Damals, in den 80er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts, als es noch „richtige Winter mit jeder Menge Schnee“ gegeben habe, wurde im Gelltal, das an die Kleinstadt Waldkappel angrenzt, erstmals ein kleiner Skilift von der Stadt angeschafft.

Der damalige Bürgermeister Heinz Hut habe hierbei eine tragende Rolle gespielt, erinnert sich Frank. Als Mitarbeiter der Stadt übernahm er den Liftbetrieb in seine Aufgabengebiete. Einige Jahre später wurde ein größeres und komfortableres Modell montiert, das noch bis heute erhalten ist. Doch für Alois Frank, der bis zum Rentenalter bei der Stadtverwaltung Waldkappel angestellt war, ist Ende des Jahres 2015 Schluss gewesen.

Mögliche Nachfolger sind keine Unbekannten

Die möglichen neuen Betreiber sind für Frank keine Unbekannten: Stefan und Susanne Bärmann aus Waldkappel wollen den Betrieb des Lifts übernehmen. Beide sind selbst begeisterte Wintersportler. Bärmann und seine Frau fuhren seit jeher regelmäßig Ski im Gelltal. Alois Frank sagt: „In den vergangenen drei Jahren haben wir immer wieder darüber gesprochen, dass Stefan einmal in meine Fußstapfen treten könnte. Als es soweit war, hat er sich schnell einverstanden erklärt.“

Der Schlepplift soll also auch zukünftig bestehen bleiben. Den Betrieb zu übernehmen, ist für die Bärmanns keine Frage. Susanne Bärmann sagt: „Das Gelltal war als Kind mein liebster Spielplatz. Die Piste nutze ich schon seit 40 Jahren.“ Die 46-Jährige hofft noch auf einen richtigen Wintereinbruch mit mindestens 15 Zentimetern Schnee, damit der Skibetrieb endlich anlaufen kann.

Der bisherige Betreiber sieht in der Skipiste direkt vor der Haustür viele Vorteile. Abgesehen von der vorteilhaften Lage könne man sich vor allem auf deutlich kürzere Wartezeiten am Lift einstellen, als anderswo: „So etwas gibt es auf dem Hohen Meißner nämlich nicht“, so Frank. Dass er nach einer so langen Zeit nun nicht mehr kann, wie er gerne möchte, fällt ihm schwer. „Das Aufhören ist kein leichter Schritt gewesen. An dieser Piste hängen sehr viele Erinnerungen. Auch, wenn ich selbst nicht mehr Ski fahren kann, eine Leidenschaft wird es immer bleiben.“ Der Rentner denkt gerne an die vielen besonderen Erlebnisse zurück, die sich auf der weißen Piste zugetragen haben.

Zuckersüßer Tee für die Kinder

Abends, wenn es schon dämmerte und der Skibetrieb bis zum nächsten Morgen eingestellt wurde, kamen die Wintersportler oftmals zusammen, um gemeinsam den Tag ausklingen zu lassen. Für die Erwachsenen gab es Glühwein, die Kinder wurden mit Butterbroten und Früchtetee versorgt. Wer nichts bezahlen konnte, musste auch nicht. „Auf das Beisammensein kam es an.“ Eine Dose des roten, zuckersüßen Getränks steht noch immer in der Küche des 76-Jährigen. Er sagt mit strahlenden Augen: „Wie sie da alle in einer Reihe gesessen haben, das werde ich nie vergessen.“

Waldkappels Bürgermeister Reiner Adam hofft, dass mit Stefan und Susanne Bärmann schnell ein neuer Betreiber gefunden wird. Er sagt: „Abschließende Gespräche haben wir zwar noch nicht geführt, aber von unserer Seite aus spricht nichts dagegen.“ Den Skilift im Gelltall bezeichnet er als Geheimtipp für Wintersportler. Es sei wichtig, dass der Betrieb auch weiterhin aufrechterhalten werde.

Frank, der den Hang selbst unzählige Male hinabgefahren ist, hat vielen Kindern mit Geduld und Fachwissen das Skifahren beigebracht. Auch den eigenen Kindern und selbst den Enkeln habe er die Passion fürs Skifahren vererbt. Mittlerweile sei die Enkeltochter auf der Piste kaum mehr zu bremsen. Seit drei Jahren steht der ehemalige Betreiber selbst nicht mehr auf den schmalen Sportgeräten. Doch zumindest vor dem Fernseher kann Alois Frank regelmäßig alte Zeiten wiederaufleben lassen: Bei Skispringen und Biathlon gerät er regelmäßig ins Schwärmen.

Ski-Spaß aus vergangenen Jahren. Die Piste im Gelltal wird – wenn ausreichend viel Schnee liegt – von Jung und Alt genutzt.

Länger Schnee durch gute Lage 

Die Bewältigung der Piste wird als leicht bis mittelschwer eingeordnet. Durch die günstige Lage an einem Nordhang schmilzt der Schnee - wenn er denn liegt - erst spät. Der Schlepplift ist 300 Meter lang und kann 19 Personen gleichzeitig den Berg hinaufziehen. Bei ausreichender Schneelage wird er auch in Zukunft an Wochenenden ab 13 Uhr betrieben. Eine Tageskarte kostet fünf Euro. Der Weg zum Lift führt von der Ortsmitte Waldkappel bis zum Waldrand. Auch eine Rodelbahn ist vorhanden: Sie verläuft parallel zur Skipiste. 

Von Pelle Faust

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