A 44: Rauschenbergbrücke wird über das Tal geschoben

Die künftige Rauschenbergbrücke bei Waldkappel wird bald die Fahrbahn der Bundesstraße 7 überspannen.

Waldkappel. Am kommenden Montag steht an der Autobahnbaustelle bei Waldkappel ein spektakuläres Schauspiel bevor: Der erste Teil der Rauschenbergbrücke, die an dieser Stelle die Bundesstraße 7 und das Tal des Flüsschens Wehre überspannen soll, wird an diesem Morgen in Richtung des ersten Brückenpfeilers verschoben.

„Taktschieben heißt dieses Verfahren“, erläutert Bauingenieur Thomas Ackermann von Hessen Mobil, der für die Bauüberwachung an der Brücke zuständig ist.

300 Tonnen wiegt das 25 Meter lange Betonsegment samt Fahrbahndecke, das in dieser Woche an der Baustelle gegossen wird. In Takten von je 25 Zentimetern rutscht das Brückenteil vorwärts, bewegt von einem hydraulischen Hubzylinder. „Das wird um die zwei Minuten dauern“, so Ingenieur Ackermann. Dann muss der Hubzylinder neu eingerichtet werden und ein neuer Schub beginnt.

Insgesamt soll die Brücke an diesem Tag 25 Meter weit in Richtung der 250 Meter entfernten gegenüberliegenden Talseite wachsen. Das heißt, die Brücke wird an diesem Tag insgesamt 100 Meter nach vorn gerückt. Die Betonwanne geleitet dabei auf einer ultraglatten und hoch strapazierfähigen Folie aus Teflon. „Dadurch gibt es möglichst wenig Reibung“, so Ackermann.

In zehn Wochen wollen Ackermann und seine etwa 35 Mann das Tal überbrückt haben. Pro Woche - geplant ist immer am Montag früh - rutscht die Brücke um 25 Meter weiter. Dann kommt die andere Fahrbahnseite dran.

Etwa genauso viel Zeit wie der Schiebevorgang selbst dauern die Vor- und Nacharbeiten. Bis die komplette Brücke steht und befahrbar ist, werden zwei Jahre vergangen sein. Die Arbeiten begannen im Oktober des vergangenen Jahres. Mit der Fertigstellung wird es also Herbst 2014.

Die aufwändige Bauweise hat nach Auskunft von Thomas Ackermann in erster Linie ökologische Gründe. „Die empfindlichen Flussauen entlang der Wehre sollen möglichst wenig belastet werden“, so der Ingenieur. Würde die Brücke über einem Unterbau errichtet, würde das Gelände weitaus mehr strapaziert. Denn dann müsste auf der kompletten Brückenlänge ein Tragegestell aus Beton und Stahl errichtet werden.

Die Rauschenbergbrücke ist Teil des im Moment im Bau befindlichen sechs Kilometer langen A-44-Abschnitts zwischen Bischhausen und Waldkappel. Nach Auskunft von Reinhold Rehbein, Projektmanager für den Bau der A 44, kostet das Teilstück etwa 79 Millionen Euro und soll im Laufe des Jahres 2015 für den Verkehr freigegeben werden.

Von Dieter Salzmann

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