Allgemeinmediziner Dr. Wolfgang Daub hofft auf baldige Neustrukturierung im ärztlichen Bereitschaftsdienst

„Die Belastung ist zurzeit enorm“

Dr. Wolfgang Daub, Arzt für Allgemein- und Sportmedizin in Wanfried, hofft auf die gleichmäßigere Verteilung des ärztlichen Bereitschaftsdienstes. Foto: Harald Triller

Wanfried. Dr. Wolfgang Daub, Arzt für Allgemein- und Sportmedizin in Wanfried, begrüßt, im Gegensatz zu Dr. Stephan Cortis aus Röhrda (WR berichtete), die von der Kassenärztlichen Vereinigung beschlossene Neustrukturierung des ärztlichen Bereitschaftsdienstes, obwohl er selbst aus Altersgründen gar nicht mehr betroffen ist.

Wolfgang Daub spricht explizit die Situation in Wanfried an, die er für untragbar hält, „weil die Belastung ganz einfach viel zu groß ist für die Mediziner in der Brombeermannstadt.“ Altersgründe gibt er an, die die Zahl der Bereitschaftsärzte von fünf auf drei reduziert haben. „Das bedeutet im Klartext, dass hier bei uns von jedem Arzt 120 Tage Dienst im Jahr geleistet werden müssen. Und abgesehen von den gesundheitlichen Folgen für die Ärzte, die quasi an jedem dritten Tag 24 Stunden lang Rufbereitschaft garantieren, werden derartige Praxen künftig wohl kaum noch zu besetzen sein, weil keine Nachfolger in Sicht sind“, geht Wolfgang Daub auf ein Beispiel in Eschwege ein: „Da blieb sogar das Interesse an einer Praxis aus, die als Geschenk angeboten wurde.“

„Wegen der Rufbereitschaft werden derartige Praxen künftig wohl kaum noch zu besetzen sein, weil keine Nachfolger in Sicht sind.“

Dr. Wolfgang DAub

Die Altersstruktur der Ärzte im Kreis werde, so Wolfgang Daub gegenüber der WR, dazu führen, dass vor allem in der Peripherie erhebliche Versorgungslücken entstehen. „Und wenn keine gerechtere, sprich gleichmäßigere Verteilung der Bereitschaftsdienste angestrebt wird, dann drehen junge Mediziner bei oder fahren weiter“, so Dr. Daub mit ernster Miene.

Die von der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen beschlossene Neuorganisation des ärztlichen Bereitschaftsdienstes für den Werra-Meißner-Kreis, die eine Reduzierung von neun auf nur noch zwei Bezirke (Eschwege und Witzenhausen) vorsieht, war laut Dr. Wolfgang Daub bislang am Widerstand einiger Kollegen gescheitert: „Als Begründung für das Festhalten an der bestehenden Situation wurde die Gefahr einer schlechteren Patientenversorgung vorgeschoben.“

Junge Mediziner motivieren

Das Beharren am bisherigen System hat für Wolfgang Daub individuelle Gründe, unter Umständen auch wirtschaftliche: „Naturgemäß wollen viele der 35 Kollegen, die dem Bezirk Eschwege angehören, keine Veränderungen, weil sie, gegenüber der Ärzteschaft in Wanfried, relativ selten zum Dienst gerufen werden.“

Es sei wichtig, dass junge Mediziner motiviert werden, um die durchaus schon vorhandenen Lücken im Werra-Meißner-Land zu schließen. Doch für Wolfgang Daub ist das nur möglich, wenn die Bereitschaftsdienste gleichmäßig auf alle Schultern verteilt werden: „Ärzte, die ständig überlastet sind, werden letztlich zu Gefahren für die Patienten. Oftmals ist es so, dass nach einem kräftezehrenden Arbeitstag, der natürlich Substanzverluste mitbringt, schon auf dem Nachhauseweg die ersten Notrufe eingehen. Und selbst dann, wenn du vor dem Fernseher sitzt, kannst du nicht richtig entspannen, weil du zwangsläufig mit den Gedanken bei einem möglichen Einsatz bist“, konstatiert der Allgemeinmediziner.

Bestätigung vom Kollegen

Bekräftigt wird Dr. Wolfgang Daub in seinem Ansinnen von seinem Kollegen der Wanfrieder Praxis-Gemeinschaft, dem praktischen Arzt Volker Ulrich. „Ich hoffe, und da spreche ich nicht nur für Wanfried, dass schon bald eine gesunde Regelung mit einer kollegialen Dienstbereitschaft gefunden ist“, so Wolfgang Daub abschließend.

Von Harald Triller

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