Ein Zeichen der Hoffnung

100 Dinge, die wir an der Region mögen: Die Kapelle der Einheit

Wanfried. Jeden zweiten Tag radelt Diakon Stefan Schäfer selbst hoch zur Kapelle der Einheit über Wanfried. Dabei hat er in den vergangenen Wochen etwas Bedeutsames festgestellt. „Egal zu welcher Tageszeit, ich treffe inzwischen immer Menschen, die an unserer Kapelle halt machen“, sagt der katholische Pfarrer. Das war längst nicht immer so.

In den vergangenen Jahren war die Kapelle verschlossen und nur zu den Andachten im Mai und am 3. Oktober geöffnet. Seit dem 1. Mai ist sie ständig offen zum Gebet. „Das wird gut genutzt“, sagt Schäfer. Besonders die Eichsfelder kommen gerne zu der Kapelle, die noch auf hessischem Gebiet steht. Die Wanfrieder katholische Kirchengemeinde kümmert sich um die kleine Kirche. Sie pflegt das Gelände. „Viele kommen, weil es einfach so schön hier ist“, sagt Schäfer. Wer möchte, findet aber auch einen Platz zur Einkehr oder kann eine Opferkerze anzünden. Für Wanderer und Radfahrer hat Schäfer mittlerweile aus eigener Tasche auch Wasser bereitgestellt.

Untrennbar mit der Kapelle der Einheit (kleines Foto) verbunden: Das Eichsfelder Kreuz als Zeichen der Mahnung und Hoffnung. Fotos: Schäfer

Am 22. Mai 1993 wurde die Kapelle der Einheit durch den Hildesheimer Weihbischof Heinrich Pachowiak eingeweiht. Sie enthält Steine aus verschiedenen Regionen Deutschlands. Am Eingang sind im Boden auch Steine aus dem Heiligen Land eingearbeitet. Das Pflaster des Vorplatzes stellt das wiedervereinigte Deutschland dar. Im Boden des Innenraums ist das gesamte Eichsfeld, durch das 40 Jahre lang die innerdeutsche Grenze verlief, zu sehen.

50 Meter oberhalb der Kapelle befindet sich die nächste Besonderheit an der Grenze zwischen Hessen und Thüringen: das Eichsfelder Kreuz. Einige Eichsfelder, die in den Westen gegangen waren, hatten auf Initiative des gebürtigen Großbartloffers Berthold Rühlemann 1980 das Mahnmal errichtet, das sich in Sichtweite des Hülfensberges, des Eichsfelder Hauptwallfahrtsortes, befindet. Während der Teilung durften Westdeutsche gar nicht und DDR-Bürger nur mit Sondergenehmigung zum Hülfensberg pilgern. „Das Kreuz sollte ein Zeichen der Mahnung und Hoffnung sein“, erklärt Diakon Schäfer

1984 gründeten Eichsfelder in der Bundesrepublik um Berthold Rühlemann den „Eichsfelder Konvent“, der ab 1986 Geld sammelte, um am „Eichsfelder Kreuz“ eine Wallfahrtsstätte als Ersatz für die Wallfahrt auf den Hülfensberg zu errichten. Als sich im Oktober 1989 die Wende abzeichnete, konnte der geplante erste Spatenstich für die Anlage, zu der eine richtige Kirche gehören sollte, noch gestoppt werden. Der Konvent ließ das Projekt nicht ganz sterben und begann im Juli 1992 mit dem Bau der Kapelle der Einheit. „Die Kapelle ist ein Ort des Dankes für die wiedererlangte Einheit Deutschlands und zur Mahnung für die Zukunft“, sagt Schäfer. Die Bausumme von gut 250 000 DM war durch Spenden von Geistlichen und Pfarrgemeinden aufgebracht worden.

Von Tobias Stück

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