Das Abkommen von 1945 wird im Heimatmuseum mit einer Ausstellung gewürdigt

Ehre für den Retter von Wanfried

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Geschichte in der Hand: Valeska von Hagen und Andreas von Scharfenberg mit der Schreibmaschine und dem Tagebuch der Großmutter.

Wanfried. „Amerikaner als Retter von Wanfried“ - so lautet der Titel eines Zeitungsartikels vom 18. September 1985, der die Verdienste des amerikanischen Kommandanten Michael Burda in Wanfried im Jahre 1945 würdigt.

Warum genau ihm die Stadt Wanfried zu Dank verpflichtet ist, kann man ab sofort im Wanfrieder Heimatmuseum und Dokumentationszentrum zur deutschen Nachkriegsgeschichte erfahren. Auf Initiative der drei Museumsverantwortlichen Klaus Streitenberger, Uwe Eberhardt und Erhard Niklass wurde diesem Stück Wanfrieder Geschichte ein eigener Raum gewidmet.

Dank der Familien von Scharfenberg und von Hagen kann zum einen die Schreibmaschine, mit der das Wanfrieder Abkommen 1945 verfasst wurde, bestaunt werden, zum anderen bietet das Tagebuch von Irma von Scharfenberg die Möglichkeit, die Geschichte authentisch zu rekonstruieren. Damals durchschnitt die Besatzungsgrenze zwischen dem amerikanischen Hessen und dem sowjetischen Thüringen die strategisch wichtige Eisenbahnverbindung zwischen Bebra und Göttingen.

Um bei der Nutzung der Bahnstrecke nicht dauerhaft auf sowjetisches Wohlwollen angewiesen zu sein, drängte die amerikanische Seite auf eine begradigende Grenzkorrektur, über die am 17. September 1945 auf dem Gut Kalkhof verhandelt wurde. Schließlich wurde das Schicksal von fünf hessischen und zwei thüringischen Dörfern mit zwei Flaschen Whisky und Wodka besiegelt. Im Volksmund wird die Strecke deshalb auch „Whisky-Wodka-Line“ genannt.

Maßgeblich beteiligt an der schicksalhaften Entwicklung war der zuständige Kommandant der Amerikaner, Captain Michael Burda. Zwischen ihm und den Eigentümern des Gutes Kalkhof - der Familie von Scharfenberg - entstand eine freundschaftliche Beziehung, für Tochter Valeska wurde er sogar Pate. „Die enge Freundschaft hat er immer gepflegt. Es war sowohl für uns als auch für ihn eine prägende Zeit“, blickt diese zurück. Auch ihr Bruder Andreas von Scharfenberg weiß ein außerordentlich positives Fazit zu ziehen: „Für Wanfried war es ein unbeschreiblicher Glücksfall, dass man von einer Übergabe Wanfrieds absah.

Eigentlich wollten die Russen die Werra als Grenze durchsetzen und hatten sogar schon das Rathaus besetzt.“ Die Angst, die angesichts dieser bedrohlichen Lage in der Luft lag, wird im Tagebuch seiner Großmutter deutlich. „Es führt die Dramaturgie der damaligen Situation eindrucksvoll vor Augen. So kann man nachempfinden, wie groß die Furcht vor einer russischen Übernahme und damit die Erleichterung über das Abkommen war“, betont Andreas von Scharfenberg. Die genauen Hintergründe wurden im Museum sorgfältig und mit viel Mühe dokumentiert. Bücher, Artikel aus den verschiedensten Zeitungen, Fotos und auch Filme laden ein, in eine spannende Geschichte einzutauchen.

Von Christine Junghans

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