Tim Pippart übernimmt die Landarztpraxis seiner Familie

Die Familiengeschichte treibt an

+
Vater und Sohn, Ausbilder und „Lehrjunge“: Helmut Pippart will sich in den nächsten Jahren in den Ruhestand zurückziehen. Tim Pippart ist seit Oktober in der Praxis und schließt in Wanfried seinen Facharzt für Allgemeinmedizin ab.

Wanfried. Für Tim Pippart war immer klar, dass er auf das Land zurückkehren würde. Seinem Vater Dr. Pippart hat er damit eine Sorge genommen. Denn sein Sohn ist ebenfalls Mediziner und wird seine Praxis übernehmen, wenn Helmut Pippart in drei Jahren in Ruhestand gehen möchte. Seine Sorge ist nicht unbegründet, denn eine Landarztpraxis an den Mediziner zu bringen, ist momentan nicht einfach.

2010 und 2011 wurden in Hessen insgesamt 60 Hausarztpraxen geschlossen, weil sich keine Nachfolger fanden. Die Kassenärztliche Vereinigung Hessen (KVH) erwartet, dass 1800 Hausärzte bis 2020 in Ruhestand gehen. Besonders groß ist das Problem nach Zahlen der KVH im Werra-Meißner-Kreis. Im Landkreis werden bis 2015 ein Drittel der Hausärzte in Rente gehen - falls jeder Hausarzt mit 65 Jahren seine Praxis aufgibt.

Das Renteneintrittsalter hat Helmut Pippart bereits überschritten. Jetzt muss er warten, bis sein Sohn Tim seinen Facharzt für Allgemeinmedizin abschließt. Denn sein potenzieller Nachfolger ist nicht nur sein Sohn, sondern auch sein Auszubildender. Fünf Jahre dauert die Ausbildung zum Allgemeinmediziner, die Hälfte hat Tim Pippart bereits um. In den vergangenen Jahren hat der 34-Jährige Erfahrungen gesammelt. Nach dem Studium in Marburg hat er als Rettungssanitäter, Notarzt und zwei Jahre im Krankenhaus gearbeitet. „Mein Ziel war es aber immer, beim Vater in die Praxis einzusteigen“, sagt der Mediziner.

Es ist die Familiengeschichte, die nicht verpflichtet, aber ihn antreibt, das Erbe seiner Vorfahren fortzusetzen. Sein Großvater hat die Praxis bis 1978 betrieben, 1976 stieg Helmut Pippart in Wanfried ein, der selbst seit 1970 Arzt ist. „Die gleiche Praxis mit dem gleichen Namen in dritter Generation - das ist schon etwas Besonderes“, sagt Tim Pippart, der seit Oktober in der Praxis mitarbeitet. Er sagt aber auch: „Würde ich nicht die Praxis von meinem Vater bekommen, hätte ich es wohl nicht gemacht.“ Aus seinem Studienjahrgang haben sich von 200 Kommilitonen lediglich zwei für ein Leben als Landarzt entschieden.

Geplant ist jetzt ein langsamer Übergang für die Patienten. Tim Pippart will dabei gleichzeitig vom Wissen seiner Eltern profitieren: Helmut und Sigrid Pippart haben beide mehrere Generationen in Wanfried behandelt. „Die Besonderheiten ihrer Krankheitsgeschichten behält man im Kopf und nicht in Akten“, sagt Helmut Pippart.

Bürgermeister Wilhelm Gebhard, der jetzt Tim Pippart und seine Familie willkommen hieß, nennt den jungen Mediziner einen Glücksfall für Wanfried. „Andere Kommunen müssen dafür zahlen, dass die medizinische Versorgung aufrechterhalten wird“, sagt Gebhard. Beim Gewinn von Neubürgern sei die medizinische Infrastruktur ein großes Argument. Alteingesessene Wanfrieder finden in den Ärzten vertraute Ansprechpartner. In Wanfried sind zurzeit sechs Allgemeinmediziner tätig. Vier davon (zwei Drittel) haben das Rentenalter bereits erreicht oder stehen kurz davor.

Tim Pippart wird nicht nur das Durchschnittsalter der Wanfrieder Ärzte senken, sondern auch das der Bevölkerung. Zusammen mit seiner Frau und den drei Kindern im Alter von drei und zwei Jahren sowie sieben Monaten hat er für seine Familie eine neue Heimat gefunden.

Von Tobias Stück

Kommentare