Frieden kein Selbstläufer

Fünf Städte und Gemeinden aus Hessen und Thüringen erinnern an Mauerfall

Gemeinsam an die Grenzöffnung erinnern: Sabine Bergmann-Pohl mit (von links) Andreas Henning (Südeichsfeld-Kreis), Wilhelm Gebhard (Wanfried), Michael Reintz (Treffurt), Martin Kozber (Geismar) und Thomas Mäurer (Weißenborn). Foto: D. Möller

Treffurt. Würde- und stilvoll, dem historischen Ereignis angepasst, erlebten über 700 Besucher am Samstagabend in der Normannstein-Halle in Treffurt die Gedenk- und Festveranstaltung „25 Jahre Grenzöffnung“.

Organisiert und ausgerichtet von den fünf Bürgermeistern der Städte Wanfried und Treffurt, der Landgemeinde Südeichsfeld, sowie der Gemeinden Geismar und Weißenborn, standen hochkarätige Redner aus Politik und Kirche auf der Bühne, die, jeder aus seiner Sichtweise, den Besuchern noch einmal Vorwendezeit, Mauer- und Grenzzaunfall sowie das Leben danach vor Augen hielten.

Eingeläutet durch die Hymne der Wende der Scorpions „Wind of Chance“ (Wind der Veränderung), dargeboten von dem Treffurter Gitarren-Duo Helena Neuhaus und Lars Kehr, begrüßte Gastgeber Michael Reintz die rund 700 Anwesenden, darunter zahlreiche Ehrengäste aus Politik, Wirtschaft und öffentlichem Leben. Sein besonderer Gruß galt den Festrednern, Sabine Bergmann-Pohl, letzte Präsidentin der Volkskammer der DDR und spätere Bundesministerin für besondere Aufgaben, der Hessischen Justizministerin Eva Kühne-Hörmann, Staatssekretärin Hildigund Neubert für den Freistaat Thüringen, sowie dem Pfarrer und Bürgerrechtler Ralf-Uwe Beck, bis 1996 Gemeindepfarrer in Pferdsdorf.

In Eisenach geboren, in der Werra gebadet, in Berlin Pendlerin zwischen zwei Welten. Dann kam er, der 13. August 1961, der auch für Sabine Bergmann-Pohl die Welt zwischen West und Ost entscheidend veränderte und mit menschenverachtenden Maßnahmen Familien zerriss. „Die Familien waren die größten Opfer des kalten Krieges“, erinnert sich die heute 68-jährige CDU-Politikerin, die tatenlos mit ansehen musste, dass Oma und Opa trotz kurzer Entfernung künftig weit und unerreichbar waren. „Die letzte Hoffnung auf eine Einheit schien begraben, waren wir fortan über Jahrzehnte eingemauert.“

„Politische Bevormundung, das Sprechen und keine freie Meinungsäußerung: Wir waren geknechtet und der Willkür der Staatssicherheit unterworfen“, so Sabine Bergmann-Pohl, die gleichzeitig daraufhin wies, dass bis 1981 im Unrechtsstaat DDR 81 Todesurteile vollstreckt wurden.

Perestroika und Glasnost gaben den DDR-Bürgern neue Hoffnungen, haben manipulierte Wahlen ein Fass zum überlaufen gebracht, was den Willen zur Freiheit noch mehr Nahrung gab. „Trotz allem Unken in Ost und West war der Mauerfall unglaublich und der Traum der Wiedervereinigung nahm Gestalt an. Ich bin froh und glücklich, dass ich in der Nachwendezeit hieran mitarbeiten durfte und konnte. Die Ost-West-Diskussion ist aber noch nicht beendet und Frieden und Demokratie sind keine Selbstläufer. Beides muss aber erhalten bleiben“, so Bergmann-Pohl.

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