Gedenkstunde zum 70. Jahrestag des Wanfrieder Abkommens

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Stießen an: Andreas von Scharfenberg (r.) konnte den US-Konsul für politische und wirtschaftliche Angelegenheiten in Leipzig, Robert R. Gatehouse (M.) und Oberst a. D. Hans-Joachim Feyh (l.) begrüßen.

Wanfried. Anlässlich der Gedenkstunde zum „Wanfrieder Abkommen", dem vor 70 Jahren in den Räumen des Ritterguts Kalkhof von Amerikanern und Russen unterzeichneten völkerrechtlichen Vertrag, bezeichnete der Gastgeber diesen als ambivalentes Dokumentenwerk.

WANFRIED. „80 Worte und eine Karte haben Sieger und Verlierer hinterlassen, haben zwiespältige Gefühle hervorgerufen, die erst 45 Jahre später durch die deutsche Einheit erklärbar geworden sind“, betonte Andreas von Scharfenberg.

Zahlreiche geladenen Gäste, darunter auch Robert R. Gatehouse, amerikanischer Konsul für politische und wirtschaftliche Angelegenheiten in Leipzig, die Landräte Dr. Werner Henning (Eichsfeld) und Stefan Reuß (Werra-Meißner-Kreis), Oberst a.D. Hans-Joachim Feyh (Borken) sowie Dr. Jakob Eisler vom Grenzmuseums Schifflersgrund in Bad Sooden-Allendorf hatten sich an historischer Stätte eingefunden, um, wie der Gastgeber ausführte, „den 70. Jahrestag der Unterzeichung des Wanfrieder Abkommens zu feiern, aber ohne Fröhlichkeit“.

Denn das Ergebnis, der Austausch von zwei thüringischen und fünf hessischen Dörfern zur Erhaltung einer durchgängig auf amerikanischem Gebiet verlaufenden Bahnstrecke, im Volksmund auch Whiskey-Wodka-Linie genannt, hatte erhebliche Auswirkungen für das Leben und die Menschen in den betroffenen Dörfern.

Die Unterzeichnung des Wanfrieder Abkommens, ein kleiner Mosaikstein in der deutschen Nachkriegsgeschichte, nahm auch Dr. Jakob Eisler zum Anlass, einen Blick zurück zu werfen, erinnerte an die Teilung Deutschlands, die quer durch Familien, Anwesen und Häuser ging.

Breiten Raum widmete er dem Tagebuch der Großmutter von Andreas von Scharfenberg. Die gebürtige Engländerin hat in kurzen, aber prägnanten Sätzen ihre Zeit skizziert, darunter auch die Nachkriegszeit auf dem Kalkhof. „Was genau auf dem Kalkhof gesprochen und in Protokollen festgehalten wurde, erfährt die Nachwelt voraussichtlich erst in fünf Jahren. Dann sind die 75 Jahre rum, die damals für die Offenlegung festgeschrieben wurden.“

Landrat Dr. Werner Henning bezeichnete das Eichsfeld von jeher als Staat im Staat, fänden hier bundesdeutsche Denkstrukturen nur bedingt Eingang. Stefan Reuß rief mit Blick auf die derzeitige Flüchtlingsproblematik dazu auf, die Geschichte wachzuhalten, sei sie doch ein wichtiger Bestandteil, den man pflegen sollte. Wanfrieds Bürgermeister Wilhelm Gebhard blieb es vorbehalten, den Schlusspunkt zu setzen. Seine Bitte an Robert R. Gatehaus darauf hinzuwirken, dass die Protokolle früher zugänglich gemacht werden, unterstrich er mit Blick auf die Whisky-Wodka-Linie mit einer Flasche Hochprozentigem als Geschenk. (mö)

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