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Der Hafen ist der Stolz von Wanfried

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So sehen die Wanfrieder ihren Hafen am liebsten: Die sogenannte Schlagd begründete im 16. und 17. Jahrhundert den Reichtum der Stadt und ist heute eines der touristischen Aushängeschilder des Werratals.

Wanfried. Beinahe hätte es einen der touristischen Magnete im Werratal überhaupt nicht gegeben. Die Schlagd wäre fast dem Erdboden gleichgemacht worden.

Eigentümer Ernst-Wilhelm Kalden hatte bei der Bauaufsicht des Kreises bereits den Abriss der alten Schlagdscheunen beantragt. Die Fachwerkgebäude waren marode und einsturzgefährdet. Für die öffentliche Sicherheit bestand Gefahr. Wenigstens 160 000 Euro hätte die notdürftige Instandsetzung gekostet. Der Stadtrat Dr. Gotthard Eickhoff hat sich für den Erhalt der letzten Relikte des Werra-Hafens eingesetzt. Mit Erfolg. Kalden ließ sich umstimmen. Heute ist die Wanfrieder Schlagd eines der beliebtesten Ausflugsziele entlang der Werra.

DIE GESCHICHTE 

Die sogenannte Schlagd ist der ehemalige Endhafen der Werra-Weser-Schifffahrt. Über die Weser bestand ein direkter Zugang zur Nordsee. Wanfried hatte im 16. und 17. Jahrhundert einen klangvollen Namen. Die Stadt entwickelte sich rasch zu einem bedeutenden Umschlagplatz im Warenverkehr mit Südosteuropa. Noch heute zeugen zahlreiche historische Handels- und Repräsentativbauten am alten Hafen und in der Marktstraße von Wanfrieds lebendiger Geschichte. An der Schlagd nahmen die Hochzeiten der Stadt ihren Anfang. 1608 wurden Wanfried deshalb die Stadtrechte verliehen.

DER NEUE HAFEN 

Am Anfang war ein Bild. Der Eschweger Maler Ernst Metz hat den Wanfrieder Hafen so gemalt, wie er wohl zur Blütezeit der Werra-Weser-Schifffahrt ausgesehen haben muss. Den Wanfrieder Hafenverein hat das inspiriert. Sie wollten, dass die Schlagd in Wanfried ihre Quirligkeit zurückbekommt. Die beiden sind auf einem guten Weg. Zum Renaissancefest 2008 wurde der neue Hafen nach altem Vorbild eröffnet. Ein Schiff wurde so wiederaufbereitet, dass es den Treidelbooten von früher nahekommt. Mittlerweile wurde auch der Kai mit Planwagen, Holzfässern und einem zweiten Schiff so aufgebaut, dass er dem Bild von Metz entspricht. Eine rege Bautruppe des ebenfalls gegründeten Hafenvereins verschönert das Gelände kontinuierlich.

DIE GASTRONOMIE 

Seit sieben Jahren befindet sich eine Ausflugsgastronomie an der Schlagd. Mit Petra Dreyer betreibt mittlerweile die dritte Pächterin das Geschäft. Mit ihr scheint wieder Kontinuität eingekehrt zu sein. Im Sommer ist die Außengastronomie das Zugpferd, Dreyer betreibt jetzt die Kneipe und den Feiersaal auch im Winter.

DAS STANDESAMT 

Mittlerweile kann man sich am Wanfrieder Hafen auch trauen lassen. In den Sommermonaten bietet das Schiff Wisera als Außenstelle des Wanfrieder Standesamtes eine herrliche Kulisse.

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