Fachwerk modern: Holländisches Ehepaar kreiert sich in Aue ihr Paradies

Vor sechs Jahren nach Aue gezogen: Dini und Albert Nijenhuis in ihrem geschmackvoll restaurierten Fachwerkhaus. Foto: Wetzestein

Aue. Dini und Albert Nijenhuis aus Holland haben in Aue das gefunden, was sie in Belgien, Frankreich oder der Eifel gesucht haben. Mit viel Geschmack haben sie ein Fachwerkhaus vorbildlich restauriert.

Beim Eintreten in das Haus des holländischen Ehepaars Dini und Albert Nijenhuis in Aue vermittelt sich einem sofort die Kultur und das künstlerische Flair dieses interessanten Ehepaares. „2008 begannen wir mit der Suche nach einem Ferienhaus“, erzählt Dini Nijenhuis. Zuerst in Belgien, dann Frankreich und in der Eifel. Schließlich wurde ihr Interesse von einer Internetseite über Wanfried in Richtung Werratal gelenkt und die Neugierde auf Fachwerk und auf die wunderschöne Landschaft war geweckt.

Angekommen in Wanfried fuhr der Bürgermeister Wilhelm Gebhard das holländische Ehepaar unermüdlich zu allen zum Verkauf stehenden Häusern, die die Bürgergruppe für den Erhalt Wanfrieder Häuser anbot. Es war dann das Haus in der Langen Straße in Aue, das dem Ehepaar Nijenhuis sofort gefiel. Obwohl nicht ein Objekt der Bürgergruppe, fand sich bald der Besitzer, sodass sie 2009 kauften.

Das Baujahr des Hauses geht etwa auf das Jahr 1550 zurück. Es wurde zerstört und 1720 wieder als barockes Fachwerkhaus mit geschnitzten Hölzern aufgebaut. Ein Juwel, zu dem auch eine nahegelegene Obstwiese und ein Waldgebiet gehört, das aber inzwischen verkauft wurde. Die Bürgergruppe betreute das unter Denkmalschutz stehende Gebäude. Es war eine Kernsanierung, die mit großem finanziellen Aufwand und fachlicher Sorgfalt betrieben wurde.

Die untere Etage wird von der Familie Nijenhuis bewohnt. Im oberen Stockwerk bieten sie eine urgemütliche Ferienwohnung an. Durch die dreifach verglasten Fenster blickt man über das Werratal bin hin zu Schloss Wolfsbrunnen. In dem großen Garten mit südlichem Flair blühen die Veilchen und der Blick fällt ringsherum auf gepflegte Häuser und Gärten.

Albert Nijenhuis ist ein gelernter Autotechniker, studierte aber auch Journalistik und Marketing. Er arbeitete als Betriebsjournalist bei einer holländischen Firma in der Abteilung Marketing und war für Werbung und Druckarbeiten verantwortlich. Nach seiner Pensionierung vor 18 Jahren stellt er Steinskulpturen und Lampen her, die er mehrfach an Designergeschäfte verkauft hat.

„Es erfüllt uns mit so großer Dankbarkeit, hier leben zu dürfen.“

Dini Nijenhuis

Dini Nijenhuis war in der Raumausstattung einer französischen Firma tätig. Acht Jahre nahm sie Unterricht in Acrylmalerei bei einer holländischen Künstlerin. Sowohl ihre großflächigen Bilder als auch die Skulpturen und kunstvollen Lampen ihres Mannes schmücken das Haus, dessen Inneneinrichtung von einem exquisiten Geschmack zeugt.

Der Journalist Claus Peter Müller besuchte vor sechs Jahren das Ehepaar in Aue und spricht in seinem Artikel in der FAZ von einer Elite, die in diese Gegend zieht. Was diese Neubürger gemeinsam haben, so schreibt er, ist ihre Wertschätzung für das Fachwerk und die bezaubernde Landschaft. Sie sind in der Welt herum gekommen, hatten interessante Berufe, lassen sich später hier nieder und bringen neue Hoffnung in die Gebiete, nahe der ehemaligen Zonenrandlage.

Mit Bildung im weitesten Sinne geht bekanntlich Bescheidenheit einher. So sagt Dini Nijenhuis zum Abschied: „Es erfüllt uns mit so großer Dankbarkeit, hier leben zu dürfen.“ Doch, das Ehepaar freut sich auch wieder auf Holland, wo sie noch eine Wohnung haben und ihre zwei Söhne und Enkel sehen können.

Von Annette v. Waldow

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