Immer ganz nah am Tabubruch

Verstorbener Hellmuth Karasek begeisterte Publikum in der Region

Hellmuth Karasek bei seiner Lesung im Jahr 2012 in Wanfried. Foto:  Mayer /Archiv

Wanfried/Holzhausen. Am Dienstag ist Hellmuth Karasek im Alter von 81 Jahren in Hamburg gestorben. Jahrelang diskutierte er mit Marcel Reich-Ranicki und weiteren Kritikern in der Fernsehsendung „Das Literarische Quartett“ über neue Bücher. Hellmuth Karasek, in Brünn geborener deutscher Journalist, Buchautor, Film- und Literaturkritiker und Professor für Theaterwissenschaft, war auch zweimal zu Gast im Werra-Meißner-Kreis.

Im Juni 2012 begeisterte Karasek, von dem seine Freunde sagten er sei „süchtig nach Literatur und süchtig nach dem Disput, gerne kontrovers, aber immer vermittelnd, gerne auch humorvoll“, im Rahmen der Wanfrieder Lesung mit seinem Werk „Im Himmel gibt es keine roten Ampeln“.

Im Mai des vergangenen Jahres war der damals 80-jährige Meister der pointierten Glosse zu Gast auf Gut Hohenhaus, präsentierte zwischen Vorspeise, Hauptgang und Dessert in der ihm eigenen Art und Weise die vom Hotel-Restaurant ausgelobten vier K’s - Kunst, Kultur, Kulinarik, Karasek. Er demonstrierte im vergangenen Jahr auf Hohenhaus, dass noch viel Elan in ihm, dem Meister der pointierten Glosse, dem ständigen Beobachter seiner Umwelt, steckt steckt. Brillanter Wortwitz und tiefschürfende Satire kennzeichneten einen kurzweiligen und amüsanten Abend. Er versuchte, durch gesprochene oder geschriebene, besonders strukturierte fiktive Erzählung den Zuhörer oder Leser durch einen von ihm unerwarteten Ausgang, zum Lachen anzuregen. Und das schaffte Hellmuth Karasek jedes Mal aufs Neue.

In Wanfried kamen die Zuhörer in den Genuss, die Karasek’sche Witztheorie kennenzulernen, abgeleitet von der Freud’schen, die aus den gleichnamigen Versprechern wie „Trauring, aber wahr“ entstanden ist. Karasek schrieb Glossen für Tageszeitungen und verkauft sie noch einmal als Buch. Material hat er genug, denn seine Glossen basieren auf Witzen. Die wiederum entstehen schnell aus dem Tagesgeschehen, besonders der Politik.

In Wanfried schaffte er es vor lauter Anekdoten nicht, aus seinem damals aktuellen Buch vorzulesen. Gelesen hat Karasek nur vom Blatt die Zeitungsglosse der Werra-Rundschau vom Vortag und adelte damit den WR-Glossenexperten und bereits verstorbenen Redakteur Helmut Mayer. (ts)

Von Dieter Möller

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