Therapiehof in Heldra

Und jetzt auch noch mit einem Pony

Pure Freude. Der klein Nick ist kerngesund und hat keinerlei Probleme. Zusammen mit der Ponystute Beauty blüht der 15 Monate alte Knirps aber dennoch auf und geht noch mehr aus sich heraus als sonst. Alle Fotos:  Stück

Heldra. Beauty ist die Ruhe in Person. Die 16 Jahre alte Ponystute hat in ihrem Leben schon einiges erlebt und hat immer Besonnenheit walten lassen. Ob als Turnierpferd oder Voltigierpartner, Beauty konnte nichts aus der Ruhe bringen.

Jetzt hat sie ihre wahre Bestimmung gefunden. Auf dem Therapiehof Werratal von Elisabeth Göbel am Ortseingang von Wanfried-Heldra wird sie ab Juni als Therapiepferd eingesetzt.

Der Therapiehof Werratal hat sein Angebot wieder einmal erweitert. Nach drei Hunden, drei Lamas und zwei Alpakas ist jetzt das Reitpony Beauty neuester Bewohner auf dem Hof. Damit erweitert Elisabeth Göbel ihr Therapieangebot um einen weiteren Aspekt. Denn: Über das Pferd wird von der eigentlichen therapeutischen Behandlung des Patienten abgelenkt und wird gerade bei Kindern und Jugendlichen spielerisch verpackt, so dass es den therapeutischen Zugang zum Patienten vereinfacht und ein therapeutisches Vorgehen somit schneller erreicht wird.

Die Wirkung von Beauty wird bei dem einjährigen Nico sofort deutlich. Der Junge ist kerngesund, hat keinerlei Probleme. Doch wenn er das Pferd sieht, geht er noch mal mehr aus sich heraus. Ganz selbstverständlich nimmt er den Führzügel des Ponys und zieht das viele Zentner schwere Tier hinter sich her. Auf dem Rücken des Pferdes kreischt und kräht Nico fröhlich. Beauty lässt niemanden kalt.

Der Personenkreis, den Beauty ansprechen soll, ist vielschichtig. Das Angebot richtet sich an Kinder mit kognitiver (geistiger) und seelischer Behinderung, Sinnesbehinderung, Entwicklungsrückständen, sowie an Kinder, denen ohne Förderung eine Behinderung droht. Für alle im Alter zwischen einem und sechs Jahren bietet Elisabeth Göbel eine Frühförderung auf dem Pferderücken an. Aber auch ganze Gruppen kann sie mit Beauty bedienen. Integrative Kindergärten, Kinder- und Jugendheime, Behinderteneinrichtungen, aber auch Grundschulen, Förderschulen oder betroffene Angehörige, die eine kleine Gruppe gemeinsam mit ihren betroffenen Kindern bilden möchten, sind angesprochen. Zielgruppen können Kinder mit geistigen und körperlichen Entwicklungsrückständen sein. Die Gruppen beginnen ab zwei Personen. In der Gruppe werden kognitive, psychische, motorische und soziale Aspekte gefördert und gestärkt. Sind Kinder in ihrem Sozialverhalten gestört, kann Beauty Wunder bewirken. „Aggressive oder hyperaktive Kinder zeigen in der Arbeit mit dem Pferd ein ganz anderes Sozialverhalten“, berichtet Fachtherapeutin Elisabeth Göbel.

Nico hat mit seinen 15 Monaten noch Probleme, sich selbst auf dem Pferd zu halten. In der Therapie wären immer zwei Betreuer an der Seite der Patienten: ein ausgebildeter Therapeut und eine Pferdeführerin. Nico wird zusätzlich von seiner Mutter begleitet, die ebenfalls neben dem Pferd läuft. Nico turnt auf dem Rücken des Ponys herum, dreht sich, sitzt plötzlich verkehrt herum auf der Stute und schaut nach hinten, während Beauty geduldig weitertrottet. Während ihrer Zeit als Voltigierpferd hat sie wesentlich mehr aushalten müssen, als den Zehn-Kilogramm-Knirps. Schwerer als 75 Kilogramm darf allerdings keiner der Patienten sein, der mit Beauty zusammenarbeiten möchte.

Grundsätzlich ist das therapeutische Reiten eine freiwillige Leistung der Krankenkassen. „Einem Antrag sollte möglichst eine ärztliche Empfehlung, Stellungnahme von therapeutischer oder pädagogischer Seite, sowie das Ziel der Therapie mit einem Ausblick, warum es eine Reittherapie sein sollte, beigefügt werden“, empfiehlt Elisabeth Göbel. Die Kosten für das therapeutische Reiten werden in den meisten Fällen privat bezahlt. In Sonderfällen kann das therapeutische Reiten auch von der Pflegekasse, vom Sozialamt oder dem Jugendamt übernommen werden. Das Jugendamt übernimmt, wenn ein Förderbedarf und ein ärztliches Gutachten bestehen. Dann wäre die Reittherapie eine Hilfe zur Erziehung.

Bilder vom Therapiehof

Bilder vom Therapiehof in Heldra

Die Therapien mit dem Pferd richten sich hauptsächlich an Jugendliche. Aber auch die Arbeit mit Senioren bleibt ein wichtiger Bestandteil. Mit Alpakas und Lamas besucht die Fachtherapeutin verschiedene Seniorenheime der Region. Mit den Hunden geht es sogar in Krankenhäuser. Mit Elisabeth Göbels Mann Markus und Anne Hartmann komplettieren mittlerweile zwei Therapieassistenten das Team des Therapiehofs Werratal. Ein Ende der Angebotserweiterung ist längst nicht in Sicht. Zurzeit absolviert die junge Mutter eine Ausbildung zur Heilpraktikerin.

Von Tobias Stück

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