Lösung für Nutzer muss gefunden werden

Keudell’sches Schloss: Konzept vor dem Verkauf

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Zu teuer: Im Zuge des Schutzschirms kann sich die Stadt Wanfried die Unterhaltung des Keudell’schen Schlosses nicht mehr leisten. Der Magistrat soll jetzt nach einem Käufer für das 365 Jahre alte Gebäude suchen.

Wanfried. Der Magistrat der Stadt Wanfried ist beauftragt, den Verkauf des Keudell’schen Schlosses am Anfang der Marktstraße abzuwickeln. Ihr vorrangiges Ziel ist es, einen Käufer zu finden, um die laufenden Kosten für das Gebäude abzugeben.

Ebenso wichtig bei den Verhandlungen: Der Rat der Stadt muss eine Lösung für das Heimatmuseum und Dokumentationszentrum der Stadtgeschichte finden. Denn wenn das Schloss verkauft wird, ist es wahrscheinlich, dass die umfangreiche Sammlung in der ersten Etage weichen muss.

„Noch ist diese Frage nicht akut“, sagt Bürgermeister Wilhelm Gebhard, der betont, dass die Verkaufsabsichten erst mit der Entscheidung der Stadtverordnetenversammlung von Freitag spruchreif geworden sind. Zunächst gelte es jetzt, einen realistischen Marktwert für das geschichtsträchtige Objekt zu ermitteln und dann die geeigneten Plattformen zu suchen, um das historische Gebäude anzubieten. „Das kann Monate dauern“, sagt Gebhard.

Erst seit 1960 gehört das Gebäude der Stadt. Sie kaufte die ehemalige Realschule und baute sie um. Es entstanden Wohnungen, ein Leseraum, die Stadtbücherei und das Büro des Verkehrsvereins. Im November 1981 zog schließlich das Wanfrieder Heimatmuseum, das seit 1924 im Rathaus untergebracht war, ins Keudell’sche Schloss ein. Im Heimatmuseum lagern tausende Exponate aus zwölf Jahrhunderten Heimatgeschichte. Die geschichtlich wertvollen Gegenstände sind in sechs Räumen untergebracht. Im Dokumentationszentrum zur deutschen Nachkriegsgeschichte wird die Situation an der früheren innerdeutschen Grenze mit ihren unüberwindlichen Grenzsicherungsanlagen dargestellt. Neben dem Heimatmuseum sind heute das Wanfrieder Archiv, die Kleiderstube, das Deutsche Rote Kreuz und die Gästeführerzunft in dem Gebäude untergebracht. Mit allen Betroffenen werden Gespräche geführt.

Die Familie von Keudell hatte das Anwesen im 15. Jahrhundert erworben. Im Dreißigjährigen Krieg brannte das Haus nieder. In seiner jetztigen Form wurde das Schloss auf dem Kellergewölbe der Ruine 1648 errichtet. 1878 kauft Karl Xaver von Scharfenberg das Fachwerkgebäude, zog aber nur zehn Jahre später auf den Kalkhof. Danach wurde das Haus als Privatschule, Landschulheim und Realschule genutzt.

Mit einem potentiellen Käufer könne man dann über Nutzungskonzepte sprechen. Vielleicht, so Gebhard, ergäbe sich die Möglichkeit, die Räume für das Dokumentationszentrum in Zukunft anzumieten. Auch der Umzug in eine der Wanfrieder Schulen sei eine Überlegung wert. Mit der Stadt- und Schulbücherei sei man bereits eine sehr erfolgreiche Kooperation mit dem Werra-Meißner-Kreis eingegangen.

Von Tobias Stück

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