Helfer in Wanfried gesucht

Alexander Friman restauriert jüdisches Fachwerkhaus

Baut derzeit die Scheune zurück: Alexander Friman. Fotos:   Wüstefeld

Wanfried. In Wanfried wird derzeit ein jüdisches Fachwerkhaus restauriert: in liebevoller Kleinarbeit von Alexander Friman. Zur Unterstützung sucht der 41-Jährige noch Helfer.

Das große Tor des Hauses in Wanfried steht offen. Ein Blick hinein auf das, was sich dort verbirgt, lässt einen erst einmal zurückschrecken: Am Ende eines Durchgangs, in dem Säcke voll Stroh lagern, wird eine baufällige Scheune sichtbar. „Die sollte man auch nur noch betreten, um sie zurückzubauen“, sagt Alexander Friman.

Den 41-Jährigen aus Reichensachsen hat das allerdings nicht abgeschreckt, das Haus samt der Scheune Anfang des Jahres zu kaufen. Vielmehr fangen seine Augen an zu leuchten, wenn er das Chaos um sich herum sieht: Der Elektrofachmann war schon lange auf der Suche nach einem Haus, „in dem ich auch etwas machen kann“.

Vor allem Fachwerkhäuser haben es ihm dabei angetan, „die Bauweise ist äußerst interessant.“ Und so hat er das Haus in der Windgasse erworben - was bei Dr. Helmut Pippart aus Wanfried erst einmal Skepsis auslöste.

Denn bei dem Fachwerkhaus handelt es sich um ein jüdisches, es ist das einzige der Stadt mit noch intakter hebräischer Inschrift: „Das Glück möge sich vermehren, Amen. So möge es (Gottes) Wille sein. Fertiggestellt am 21. Dezember 1620“, steht über dem Torbogen.

Doch Pipparts Sorge, das Haus könne modernisiert werden, war unbegründet: Denn Friman kaufte das Haus nicht, um es zu sanieren, sondern um es nach dem historischen Vorbild zu restaurieren. „Ich mag es, das zum Vorschein zu bringen, was mal war, etwas zu tun“, erklärt der Familienvater sein Anliegen.

Unter Teppichen versteckt: die alten Dielen, von denen Friman in dem jüdischen Fachwerkhaus noch mehr zu entdecken hofft.

Dabei sei ihm durchaus bewusst, dass sein Vorhaben Jahre dauern könnte - es sei denn, die Wanfrieder Bürger unterstützen ihn bei seinem Vorhaben, das alte jüdische Haus wieder herzurichten. Immer freitags und samstags sei er ab zehn Uhr dort, etwas zu tun gebe es immer. „Derzeit wird die Scheune im Hof zurückgebaut, die ehemaligen Ställe für Hühner und Hasen sind schon weg.“ Gut 30 Lkw-Ladungen an Schutt habe er schon entsorgt.

Zum Winter will er dann damit beginnen, die Tapeten von den Wänden und den Teppich von den Böden zu reißen. „Es gibt so schöne alte Dielen in dem Haus, in manchen Ecken habe ich die schon entdeckt“, freut sich Friman.

„Es wäre schön, wenn sich viele daran beteiligen würden, dass es das historische Erbe auch weiterhin gibt“, sagt der ehemalige Schulleiter aus dem Ringgau, Reiner Graf. Ebenso wie Pippart hat er ein Faible für alte Gebäude, steht dem 41-jährigen Bauherrn mit seinem Fachwissen zur Seite.

Ob er jemals in das Haus einziehen werde, wisse Frimann nicht. „Ich bin da für alles offen.“ Genau wie das Tor, das jederzeit Besucher und Freiwillige durchlässt, die beim Restaurieren helfen wollen.

Von Constanze Wüstefeld

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