SPD-Unterbezirksparteitag

Die Überraschungs-Vorsitzende Karina Fissmann: So lief das hinter den Kulissen

Die neue SPD-Unterbezirksvorsitzende Karina Fissman (links) und die unterlegene Witzenhäuser Stadtverordnetenvorsteherin Margarete Koschel-Naahs. „Ich sehe das sportlich“, sagte Koschel Naahs nach ihrer Niederlage. Foto: D.S.

Wanfried. Zunächst sah alles noch so aus, als liefe es nach dem Plan, den der scheidende SPD-Chef Andreas Nickel ausgelegt hatte. Auf dem SPD-Unterbezirksparteitag trat, vom Vorstand abgesegnet, Margarete Koschel-Naahs als einzige Kandidatin für den frei werdenen Vorsitz an.

Sie galt als gesetzt, jedenfalls aus Nickels Sicht und wohl auch aus ihrer eigenen. Am Ende wählten die Delegierten die 26-jährige Karina Fissmann aus Röhrda mit 82 zu 44 Stimmen zur neuen Vorsitzenden. Fissmann hatte ihre Kandidatur erst in der Versammlung bekannt gegeben.

Nichts ahnend hatte sich die Witzenhäuser Stadtverordnetenvorsteherin den Delegierten vorgestellt, zunächst als Ersatzbewerberin für den erneut nominierten Landtagsabgeordneten Lothar Quanz, wobei sie klar äußerte, dass sie in der Ersatzkandidatur zusammen mit dem Unterbezirksvorsitz die Plattform sehe, den jetzt 64-jährigen Quanz zu beerben, der wohl nach dem Ende der nächsten Legislaturperiode nicht wieder antritt.

Aber während sie noch sprach, war der erste Akt ihrer Demontage bereits gelaufen. Hatten sich einige Delegierte noch gefragt, weshalb auch der Witzenhäuser Ortsvereinsvorsitzende Hendrik Elkenhans sich für die Ersatzkandidatur hatte aufstellen lassen, war dies nach der Auszählung der Stimmen klar. Unter den vier Bewerbern erreichte Koschel-Naahs das drittschlechteste Ergebnis und flog damit aus dem Rennen. Das machte schließlich der Eschweger Ortsvereinsvorsitzende Alexander Feiertag - mit einer Stimme Vorsprung vor Elkenhans.

„Der wollte das gar nicht werden“, raunte ein Delegierter. Und bald war klar, dass es mit der Kandidatur in erster LInie darum gegangen war, Koschel-Naahs Stimmen aus dem eigenen Witzenhäuser Lager zu entziehen. „Wenn ich so durchgereicht worden wäre wie Koschel-Naahs, würde ich für den Unterbezirk nicht mehr antreten“, kommentierte ein Delegierter,

Im zweiten Akt ließen die Unterstützer von Karina Fissmann ihre Maske fallen. „Wir sind an einem Punkt, an dem wir über zwei oder drei Tage hinausschauen sollten“, sagte Dieter Franz, einer der Hauptakteure hinter den Kulissen. Auch Landrat Stefan Reuß setzte sich für die 26-jährige Fissmann ein. „Ich halte es für ein gutes Signal, wenn wir heute eine junge, dynamische Frau wählen“, sagte er. Auch ein aufgebrachter Andreas Nickel konnte die Situation nicht mehr drehen. „Genossen, ihr seht mich überrascht. Es gab einen einvernehmlichen Vorschlag des Vorstandes, der ausgewogen war und alle überzeugte“, sagte er und räumte ein, von allem nichts gewusst zu haben.

„Ein schmutziges Spiel“, kommentierte ein Delegierter, „aber so ist halt Politik.“

Von Dieter Salzmann

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