Martina von Roeder restauriert Stühle und kreiert Lampen

Eine Frage des guten Geschmacks

Völkershausen. Martina von Roeder sammelt schon einen Großteil ihres Lebens. Keine Schuhe, keine Puppen, keine Taschen: Stühle haben es ihr angetan. Und auch nicht irgendwelche Stühle. Sitzmöbel aus Schweden und Frankreich aus dem 18. und frühen 19. Jahrhundert bevorzugt sie.

 Rokokomöbel und gustavianische Möbel (1772-1809) aus Schweden gehören zu ihren Favoriten. Oft sind die Stühle in einem schlechten Zustand. Kein Problem für Martina von Roeder. Sie restauriert die Möbel selbst. In einer Scheune im Rittergut Völkershausen hat sie einen Dachboden zum Schauraum ausgebaut und stellt dort ihre schönsten Stücke aus. In ihrer Sammlung finden sich etwa dreihundert Stühle und Sessel, darunter auch sehr seltene große Stuhlsätze, die von Roeder auf ihren vielen Reisen über Jahre zusammengestellt hat und in ihrer Werkstatt restauriert. Die Anwältin und Kauffrau hat sich ihr Fachwissen über die Jahre hin angeeignet. Gleichzeitig arbeitet sie mit einem Tischlermeister und Restaurator zusammen. Stühle, die immer wieder farblich behandelt wurden, findet die Restauratorin häufig vor.

 Dann steht viel Arbeit an. Bis zu 50 Stunden benötigt sie, um den mehrfach überstrichenen Stühlen ihren antiken Charakter zurückzugeben. Nicht alle Stühle, die Frau von Roeder restauriert, kann man später auch benutzen. „Gerade französische Modelle haben eine sehr geringe Sitzhöhe, weil die Menschen früher kleiner waren“, sagt Martina von Roeder. 2007 hat die Völkershäuserin ein Gewerbe angemeldet, seit 2010 stellt sie öffentlich aus. Ein Großteil ihrer Kunden sind Einrichter. Mittlerweile werden auch Privatinteressenten und Sammler über das Internet auf sie aufmerksam.

Auch im näheren Umkreis finden immer mehr Interessenten den Weg in die Ausstellungsräume im Rittergut in der Dorfmitte von Völkershausen. Seit neuerer Zeit gestaltet Martina von Roeder auch eigene Lampen. Vom Fuß bis zum Lampenschirm designt sie alles selbst. Die Lampenfüße werden aus Buche und teilweise aus Lindenholz gedrechselt, danach mit Kreidegrund behandelt. Manchmal dreht sie auch nur ein Stuhlbein um, versieht es mit einer Fassung, Strom und Schirm und hat ein ganz neues Accessoire geschaffen. Die Ausstellungsfläche soll neben Möbeln mit kleinen Accesoires für das schöne Wohnen erweitert werden. Doch auch sonst kann sich der Schauraum sehen lassen.

Eine Rarität sind die vielfach passenden Bänke und Sofas. Kommoden und Konsoltische mit Spiegeln sowie kleine Spiegel mit Kerzenhaltern, sogenannte Lampett, runden das Angebot der Verkaufsausstellung ab. Insbesondere Aufsatzschränke und Sekretäre in den typischen zarten Grau-Blautönen sind ein besonderer Blickfang und praktisch. Große Bildschirme lassen sich darin bei Bedarf verstecken, ohne dass das Ambiente durch technische Anlagen optisch gestört wird.

Von Tobias Stück

www.rittergut-voelkershausen.com

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