Wanfried und BSA präsentieren sich auf der Auswanderermesse in Houten/Niederlande

Die Neubürger abholen

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Familien ansprechen: Wanfrieds Bürgermeister Wilhelm Gebhard (rechts) nutzte die Messe, um besonders mit Familien mit Kindern in Kontakt zu treten.

Wanfried/Bad Sooden-Allendorf. „Der Werra-Meißner-Kreis liegt genau hier.“ Bad Sooden-Allendorfs Bürgermeister Frank Hix und sein Kollege aus Wanfried Wilhelm Gebhard zeigen auf die Mitte der Deutschlandkarte.

Der Eckmessestand, prominent platziert am Haupteingang, hatte zwar nur 15 Quadratmeter Fläche, wurde aber von einem zwölfköpfigen Team betreut. Auf einem Großbildschirm liefen Landschafts- und Stadtimpressionen, prächtiges Fachwerk, Luftaufnahmen der waldreichen Region und die Bürgergruppe für den Erhalt Wanfrieder Häuser großformatig präsentiert zogen die Besucher an den Stand.

Auf der Messe musste man auffallen, die Konkurrenz war vielfältig, das Publikum stärker vertreten als in den Vorjahren. 2000 Menschen mehr als im letzten Jahr kamen nach Houten. Angebote bekamen sie aus 24 Ländern, von über 150 Ausstellern. Von 10 Uhr am Samstagmorgen bis 17 Uhr am Sonntagabend war das Interesse an der Region ungebrochen. „Ein Transportunternehmer sucht einen Standort in der Mitte Deutschlands, er war vor allem von den günstigen Grundstückspreisen beeindruckt“, erzählt Bürgermeister Gebhard. Denn gerade das anziehende Preisniveau plagt die Niederländer. Kredite, Versicherungen, Lebensmittel, Möbel oder Benzin, alles sei teuer geworden. „Wir fahren zum Tanken nach Deutschland und kaufen alles dort ein“, erzählte ein Messebesucher. Im April solle die Mehrwertsteuer um drei bis acht Prozent erhöht werden, vor allem jungen Familien bereitet das Zukunftsangst.

Aber auch die Überbevölkerung wurde als Grund für den Auswanderungsgedanken genannt. „In Amsterdam leben 3600 Menschen auf einem Quadratkilometer Fläche“, sagte ein Sozialwissenschaftler, der die steigenden Bevölkerungszahlen in den Niederlanden als Grund für ein höheres Aggressionsverhalten nannte. Im Werra-Meißner-Kreis sind es 101 Menschen pro Quadratkilometer.

Vor allem junge Familien besuchten die Messe. Ihre Fragen nach Kinderbetreuung, Jobs und Schulsystemen waren detailliert, die Gespräche intensiv. Frank Hix und Wilhelm Gebhard standen Rede und Antwort, konnten alle Fragen beantworten und wenn nötig übersetzen lassen.

„U bent van harte welkomen“, Sie sind von Herzen willkommen“, vermittelte das Team aus dem Werra-Meißner-Kreis auf Niederländisch. Schließlich waren Etienne und Monique van Leemput, Elisabeth und Jeroen van der Kleij, Dini und Albert Nijenhuis für Wanfried und Wilma van der Merwe für Bad Sooden-Allendorf mit ins Rennen um die Auswanderer gegangen. Sie erzählten von eigenen Erfahrungen mit den Menschen der Region, hatten Antworten auf die Fragen der Landsleute und stellten die Bürgermeister vor, die sich persönlich um die Belange der potenziellen Neubürger kümmern werden.

„Die Menschen suchen nach Arbeit und Wohnraum“, sagte Bürgermeister Hix, der mit Stefan Heuckeroth-Hartmann und Steffen Hottenroth vom Verein Zukunft Altbau zur Messe gereist war. Für die Vertreter der Kurstadt war es bereits der zweite Messebesuch dort, sie hatten vor allem Jobangebote dabei, die meisten im Gesundheitswesen. „Häuser sind bei uns zurzeit Mangelware“, sagt Architekt Heuckeroth-Hartmann. Schließlich habe der Verein in den letzten zwei Jahren 22 von 25 Häusern vermarkten können. An dieser Stelle konnte Wanfried punkten, mit dem kommunalen Immobilienportal, Internetadressen regionaler Informationsplattformen und der E-Mail-Adresse des Bürgermeisters bekamen die Messebesucher alles, was sie brauchen. Dazu gab es ein Paket an Infomaterial über die Region. Bereits am Sonntagnachmittag gingen die ersten E-Mails bei Bürgermeister Gebhard ein, Kollege Hix hatte auf der Heimreise Bewerbungsunterlagen im Handgepäck.

Jobs in BSA, Häuser in Wanfried

„Ein großer Erfolg“, waren sich die Niederländer im Team sicher, die sich bereits für ein Leben im Werra-Meißner-Kreis entschieden haben: Die Landschaft sei eine Mischung aus Toskana, Schweiz und der Provence, dabei nur 340 Kilometer von der Landesgrenze entfernt. Dass die Bürgermeister persönlich und Hand in Hand für ihre Region geworben hätten, sei auf dieser Messe einmalig gewesen und bei den Besuchern gut angekommen. In den nächsten Wochen wird sich zeigen, welche Früchte dieser Einsatz tragen wird.

Von Diana Wetzestein

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