Analyse: Wie sich die Stadt Wanfried unter Wilhelm Gebhard entwickelt hat

Nur neue Einwohner helfen

Im Werratal zu Hause: Wilhelm Gebhard hat sich für eine weitere Amtszeit als Bürgermeister von Wanfried entschieden. Am Sonntag wird gewählt. Foto: Wetzestein

Wanfried. Am Sonntag sind 3563 Wanfrieder aufgerufen, einen neuen Bürgermeister zu wählen. Amtsinhaber Wilhelm Gebhard (CDU) ist der einzige Bewerber für den Posten. Wir blicken auf seine erste Amtszeit zurück und beleuchten seine Arbeit zu den Themen Arbeitsplätze, Finanzen, Vermarktung, Politik, Tourismus und die Zukunft Wanfrieds. Arbeitsplätze

Seit seinem Amtsantritt 2007 ist die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze gestiegen. 2006 waren es 660, 2012 schon 723. Nicht einberechnet in die Statistik sind die 42 Stellen, die Anfang des Jahres bei Wanfried-Druck gestrichen wurden. Neue Arbeitsplätze zu generieren wird auch in Zukunft eine Herkulesaufgabe bleiben. Produzierendes Gewerbe nach Wanfried zu locken ist so gut wie unmöglich, weil die Stadt weit ab vom Schuss liegt. Finanzen

Seit 2002 hat die Stadt Wanfried keinen ausgeglichenen Haushalt mehr vorgewiesen. Das ist auch unter der Verwaltungsführung von Wilhelm Gebhard nicht besser geworden. 2012 lag das Haushaltsdefizit bei 1,4 Millionen Euro. Für die Zukunft ist Besserung in Sicht. Grund dafür ist der Schutzschirm unter den die Stadt geschlüpft ist. Bis 2015 will sie einen ausgeglichenen Haushalt vorlegen. Eine halbe Million Euro wird 2013 eingespart, die restlichen 900 000 Euro sollen bis 2015 folgen. Bei rund 22 Millionen Euro lagen die Verbindlichkeiten Ende 2012. Durch den Schutzschirm wird das Land Hessen 4,1 Millionen Euro übernehmen. Ist der Haushalt ausgeglichen wird die Stadt Wanfried wieder mehr Geld in den Schuldenabbau stecken. Die Infrastruktur wird aufrecht erhalten. Große Investitionen kann sich die Stadt nicht leisten. Vermarktung

Die Vermarktung von Wanfried ist durch Gebhard besser vorangekommen, als in allen anderen Kommunen im Kreis. Wanfried ist häufig in Fernsehen, Radio und überregionalen Publikationen präsent. Durch seine Vermarktung der Fachwerkhäuser hat sich der Name der Stadt bis nach Holland verbreitet. Die Bemühungen haben nicht nur Touristen nach Wanfried gezogen, sondern auch Neubürger. Seit 2011 gibt es in der Stadt mehr Zu- als Wegzüge. Nach wie vor überaltert die Bevölkerung. Junge Familien fehlen. Es sterben mehr Menschen, als geboren werden. Politik

Zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg hält die CDU die Mehrheit im Wanfrieder Parlament. Das erleichtert es Gebhard, Entscheidungen durchzusetzen. Dennoch hat er sich mit einer regen Opposition auseinanderzusetzen. In der Stadtverordnetenversammlung herrscht aber ein neues Klima. Dazu haben die Diskussionen über den Schutzschirm beigetragen. Parteiübergreifend wurden Entscheidungen für Wanfried getroffen. Zukunft

Die Steuern werden durch den Schutzschirm bis 2015 weiter angehoben. Wie lange Wanfried kommunal weiter selbstverwaltet wird, ist nicht bekannt. Eine Zusammenlegung mit anderen Kommunen könnte kommen. Beste Möglichkeit dem entgegenzuwirken: Neubürger gewinnen. Egal welchen Alters. Arbeitsplätze sind ebenfalls vonnöten. Damit wären andere Probleme vom Tisch.

Von Tobias Stück

Kommentare