Wie der Besitzer der Gemeindeschänke mit neuer Kneipenkultur und Vorurteilen ringt

Nicht leicht für neuen Wirt

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Stephan Behrndt führt seit sechseinhalb Jahren die Heldraer Gemeindeschänke. Er setzt auf ein gutes Preis-Leistungsverhältnis. Foto: Stück

Heldra. In Heldra liebt er die Weite und die Natur. Das hatte der Berliner Stephan Behrndt in der Bundeshauptstadt vermisst. Deswegen hat er sich vor über 25 Jahren ein Grundstück in Heldra gekauft. „Ein eigenes Grundstück war immer der Traum von meinem Vater und meinem Schwager“, erzählt Behrndt, der sich noch vor der Grenzöffnung den Traum erfüllt hat. In Berlin wäre das unmöglich gewesen.

„Das hätte ich mir nicht leisten können.“ Mehrmals im Monat kamen Behrndt und seine Frau seitdem nach Heldra. Am Anfang stand nur ein kleines Zelt auf ihrem Grundstück, jetzt ist es ein eigenes Haus. Und mehr noch: Vor sechseinhalb Jahren hat er sogar die Dorfkneipe übernommen.

So sah die Gemeindeschänke früher aus: Unten befand sich ein Lebensmittelladen.

Leicht war es für den Gastronomie-Neuling nicht. Denn die Kneipenkultur hat sich auch in Heldra geändert. „Unter der Woche ist wenig los, am Wochenende geht es“, sagt Behrndt. Die Älteren erzählen manchmal davon, dass sich früher ein großer Teil des Dorflebens in der Kneipe abgespielt habe. An die Gaststätte war gleich der Lebensmittelladen angeschlossen, gegenüber gab es einen Frisör. Wer dort warten musste, hat die Zeit in der Kneipe überbrückt. Aber selbst die, die davon erzählen, kommen nicht mehr, weil sie immer älter werden. Manche meiden den zugezogenen Wirt auch. „Zu dem Berliner gehen wir nicht“, hat Behrndt schon gehört. Dabei ist der Berliner weitgehend integriert. Vor zwei Jahren bekam er die silberne Ehrennadel für 25 Jahre Mitgliedschaft in der Feuerwehr. Ausschließlich von Heldraern könnte der Wirt aber nicht leben. Viele seiner Gäste kommen auch aus Treffurt, Großburschla und Völkershausen in die Gemeindeschänke.

In den vergangenen Jahren hat der Alleskönner, der auch als Installateur gearbeitet hat, kräftig renoviert. Der Biergarten wurde ausgebaut, in den oberen Etagen enstanden zwei Gästezimmer und eine 80 Quadratmeter große Ferienwohnung. Behrndt bietet ganze Arrangements mit Kanu- und Fahrradtouren an.

Dass das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt, darauf legt Stephan Behrndt besonderen Wert. Die Portionen passen kaum auf die Teller. „Jedes Schnitzel stammt beispielsweise aus der Oberschale“, erklärt der Fleischermeister sein Konzept. Die Spezialität des Hauses ist ein Schnitzel mit Kürbiskern-Käse-Kruste. „Dafür kommen meine Gäste auch aus Thüringen“, sagt der Wirt.

Von Tobias Stück

gemeindeschaenke-heldra.de

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