150 Straßenleuchten in Wanfried betroffen - Bürger sollen Masten jetzt säubern

Rechte bekleben Laternen

Kein Platz für rechte Propaganda: Bürgermeister Gebhard ruft zum Reinigen der Laternen auf.

Wanfried. In Wanfried werden seit etwa einem Monat die Straßenlaternen mit rechtsradikalem Propaganda-Material beklebt. Rund 150 Laternenmasten in der Kernstadt von Wanfried wurden zwischen dem 10. und 20. Februar mit den Aufklebern versehen.

Die Stadt Wanfried hat bei der Polizei jetzt Strafanzeige gegen Unbekannt erstattet. Bürgermeister Wilhelm Gebhard ruft die Bevölkerung dazu auf, „mit Schwamm, Bürste und Seifenlauge gegen die Verschandelung vorzugehen“.

Die Aufkleber wurden zumeist nachts entlang der Marktstraße und in Wohngebieten verteilt. Sie tragen einen Hinweis auf die Partei „Die Rechte“. Pfingsten 2012 wurde diese Gruppe gegründet. Der Verfassungsschutz Niedersachsen warnt bereits jetzt vor „Die Rechte“, die sich in Auftritt und Schreibweise als Gegenstück zur „Die Linke“ versteht. Der Verfassungsschutz schreibt, dass die neue Partei alle rechten Strömungen vereinen könnte. Sie seien radikaler als die Republikaner, allerdings gemäßigter als die NPD. Viele ehemalige NPD-Mitglieder seien bereits zu „Die Rechte“ übergegangen. Außerdem gilt die Partei als „Sammelbecken verbotener Kameradschaften und Neonazis“.

2014 will die Gruppe erstmals bei Wahlen antreten. Die Kommunalwahl in Nordrhein-Westfalen und die Europawahl wurden dafür auserkoren. In Hessen wurde die Partei im Dezember gegründet. Bisher ist sie hauptsächlich in Südhessen. Informationen deuten auf den Wetterau- und Main-Kinzig-Kreis hin.

Kurz nach der Gründung in Hessen begannen die Klebe-Aktionen in Wanfried. Anwohner haben auch Postkarten der Partei in ihrem Briefkasten gefunden. Ein Anwohner hat daraufhin zwei Jungen und ein Mädchen von seinem Postfach wegrennen sehen. Die Polizei in Eschwege ermittelt jetzt wegen gemeinschaftlicher Sachbeschädigung. „Die Partei ist nicht verboten, deswegen wird der Staatsschutz nicht eingeschaltet“, sagt Polizeisprecher Jörg Künstler.

Jetzt sollen die Klebereste von der Bevölkerung entfernt werden. „Jeder soll vor seinem Haus schauen, ob die Laternen gesäubert werden müssen und dann mit Schwamm und Seifenlauge Hand anlegen“, sagt Gebhard. Allerdings sollen nur die Klebereste der rechtsgesinnten Aufkleber abgeputzt werden. Den Bauhof wolle man aus Kostengründen mit dieser Arbeit nicht belasten.  Zum Tage

Von Tobias Stück

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