Rock für die Ewigkeit

Über 2000 Fans bejubeln den Auftritt der Kultband BAP im Wanfrieder Hafen

Charismatisch: BAP-Frontmann Wolfgang Niedecken. Das Kölner Urgestein begeisterte die Gäste rund um den Wanfrieder Hafen unter anderem auch mit politischen Botschaften. Fotos: Möller

Wanfried. Es war das mächtige Geläut der Domglocken von Köln, zu dem Wolfgang Niedecken und die Band BAP um Punkt 20 Uhr umjubelt die Bühne betraten.

Es bedurfte keines Warm-ups, um die rund 2000 Besucher auf dem historischen Terrain des Wanfrieder Hafens in Stimmung zu bringen: Vom ersten Akkord an war Spaß angesagt – auf, vor und neben der Bühne. Mit den Klassikern „Frau ich freu’ mich“ und „Schöne Jrooß“ läutete die Band das Programm zum 40. Bühnenjubiläum von BAP ein.

„Wir waren immer eine Album-Band, und das seit 40 Jahren“, rief Niedecken dem Publikum zu. Und der Erfinder des Kölsch-Rock hatte auch gleich ein Kompliment parat an „Wanfried ohne h“: „Ich hab’ mich schon einmal umgeschaut, aber das ist ja noch schöner als auf Google Earth. Ihr habt hier eine wunderschöne Location.“

Genug der Reden. Was folgte, war ein Drei-Stunden-zwanzig-Minuten-Programm. Viele Fans kannten jede Textzeile. BAP hat die Kölner Mundart im Deutsch-Rock salonfähig gemacht. Rock – und zwar schnörkellos, aufrichtig, gut, dazu Spielfreude pur. Der Spaß an den eigenen Werken hält an. Wolfgang Niedecken gab mehrfach politische Botschaften an seine Anhänger weiter und wurde lauthals bejubelt, wenn er zu mehr Zusammenhalt aufrief. Und wenn er sich in der Folk-Ballade mit dem „Vollkasko-Desperado“, seiner persönlichen Vision von Europa, der aktuellen Flüchtlingssituation oder in „Absurdistan“ mit Putin und Erdogan auseinandersetzt, dann wurde es etwas nachdenklich am Wanfrieder Hafen.

Der Abend bot genau die Stimmung, welche die BAP-Fans erwartet hatten: Eine Mischung aus alten Liedern und neuen Stücken des aktuellen Albums „Lebenslänglich“. Natürlich wurde mehr gerockt als geschwoft, aber die BAP-Balladen sind eben nach wie vor eine Klasse für sich. Der „Liebeslieder-im-Sitzen“–Zyklus riss jedenfalls mit. „Halt dich irgendwo fest“, schallte es aus 2000 Kehlen, ebenso die Hymne „Verdamp lang her“, die älter ist als Schlagzeuger Sönke Reich (Jahrgang 1983).

Gänsehaut-Gefühl kam auf bei „Kristallnach“ – hat das Lied bedauerlicherweise auch nach 34 Jahren noch eine aktuelle Bedeutung.

Die Formation

Nicht nur optisch eine Attraktion: Anne de Wolff, die anscheinend jedes Instrument beherrscht, und die mal mit der Geige, mal mit der Posaune, mal mit der Gitarre brillierte. Seit 1980 an der Seite von Niedecken: Bassist Werner Kopal. Dazu noch Gitarrist Ulrich Rode, dessen Soli die Fans zu Begeisterungsstürmen brachten, und Keyboarder Michael Nass, der im alten Stil die Hammond-Orgel sagenhaft beherrschte. Am Schlagzeug ein Künstler seines Fachs, Sönke Reich.

„Dä Herrjott meint et joo met mir“ urteilt Niedecken über sein Musiker-Dasein. Nach der dritten Zugabe und „Et letzte Leed“ gingen dann auf der Bühne die Lichter aus.

Von Dieter Möller

Kultband BAP tritt in Wanfried auf

Randnotizen

Eine Veranstaltung ähnlicher Art mit solchen Zuschauermassen hatte der Wanfrieder Hafen bislang noch nicht erlebt. Umso erfreulicher, dass die positiven Aspekte überwogen.

Angesichts des Zuschauerzuspruchs und des Wetters war auch die Betreiberin der Hafengaststätte und Konzertorganisatorin Petra Dreyer zufrieden. „Wir waren einigem Stress ausgesetzt, doch der hat sich gelohnt“, resümierte sie am Sonntagmorgen. Der ausgelassenen und friedlichen Stimmung passten sich auch die Sicherheitskräfte an, die zwar stets präsent waren, aber durchweg unauffällig agierten. Überwiegend rücksichtsvoll gingen die Besucher auf dem historischen Geläuf des Hafens vor, ließen Menschen mit Handicap den Vortritt und bildeten Gassen, wenn der Weg zur Toilette gesucht werden musste.

Die ersten Reihen vor der Absperrung waren gefüllt mit Edelfans, die BAP teilweise mit Fahnen und Schals seit über 30 Jahren begleiten. Unter ihnen auch Steffi und Alex, zwei echte Wanfrieder Mädchen, die seit Jahren die Band zu Konzerten begleiten und beim „Heimspiel“ dann auch den Herrn Papa motivierten zum Mitkommen. Pech hatten die Schnäppchenjäger auf der anderen Seite der Werra. Mit Campingstühlen und Decken ausgestattet, mussten sie statt in der ersten Reihe zu sitzen, in die dritte Reihe, in Höhe der Bühne, zurückweichen. Musik ja, Show nein… (mö)

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