Altenburschlas langjähriger Bürgermeister und Ortsvorsteher ist am Sonntag im 93. Lebensjahr gestorben

„Sheriff“ Karl Montag hat den Stern abgegeben

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Karl Montag hat die vergangenen Jahrzehnte seines Heimatortes fein säuberlich dokumentiert.

Altenburschla. Im 93. Lebensjahr ist am Sonntag Karl Montag aus Altenburschla gestorben. Hier geboren am 23. Januar 1920, ist er seinem Heimatort ein Leben lang treu geblieben und hat ihn mit beispiellosem haupt- und ehrenamtlichen Engagement bundesweit bekannt gemacht.

Nach Schule und kaufmännischer Lehre folgte ein Fronteinsatz mit amerikanischer Gefangenschaft im II. Weltkrieg, 1944 heiratete er die Österreicherin Maria Irran, von ihm später immer nur Mirl genannt, vier Kinder, acht Enkelkinder und ein Urenkelkind gingen aus der Ehe hervor.

Das Lebensmittelgeschäft seiner Tante Irene wurde für Karl Montag zum beruflichen und dörflichen Mittelpunkt. Von hier aus zog er die Fäden, damit Altenburschla vom Landesprogramm „zur sozialen Aufrüstung des Dorfes“ seinen Anteil abbekam. Da kam ihm der bundesweite Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“ gerade recht. Es gelang ihm, die Dorfgemeinschaft zu begeistern und so wurde aus „Schlamperode“, weil bei Regen die Dorfstraße im Schlamm versank, schon 1959 der Landessieger im genannten Wettbewerb.

Dieses Ereignis fiel schon in Montags 1956 begonnene und bis 1972 währende Funktion als Bürgermeister von Altenburschla. Als solchem gelang ihm mit Hilfe seiner Mitbürger die Krönung seines Wirkens: 1961 gewann Altenburschla den Titel „Schönstes Dorf Deutschlands“.

Diesen Ruhm und die unmittelbare Nähe zur innerdeutschen Grenze mit ihrem spektakulären Verlauf mitten durch Großburschla nutzte Karl Montag, um seinen Heimatort gebührend ins rechte Licht zu rücken. Hier gaben sich Schulklassen auf bildungspolitischer Studienfahrt und Bundespräsidenten die Klinke in die Hand, das 500-Seelen-Dorf wurde zum Musterdorf mit Vorzeigecharakter. Radio und Fernsehen standen Schlange in dem kleinen Dorf, das Montag so geschickt zu vermarkten verstand - und sich natürlich auch in aller Bescheidenheit.

Nach der Kommunalreform wechselte Karl Montag 1972 nahtlos vom Amt des Bürgermeisters der bis dato selbstständigen Gemeinde Altenburschla in die Rolle des ehrenamtlichen Ortsvorstehers des Wanfrieder Stadtteils mit pauschaler Aufwandsentschädigung. Diese Funktion füllte er 21 Jahre lang aus bis ins Rentenalter hinein.

In dieser langen Zeit ist Montag zu einer Institution geworden, und das auch ohne Mitgliedschaft in einer Partei. „Mister Ehrenamt“ nannte man ihn, lange bevor das unentgeltliche Engagement für die Allgemeinheit die heutige Bedeutung erlangte. Seine außerordentliche Beliebtheit und der Respekt, den er genoss, spiegeln sich wider in der liebevollen Anrede „Sheriff“, dessen Wort, wenn schon nicht Gesetz, dann doch überall Gehör fand und beachtet wurde. In seiner Glanzzeit schrieb Altenburschla Übernachtungsrekorde, Montag war der einzige Kaufmann am Ort, Ortsvorsteher, Postmeister und Fremdenführer in einer Person.

Dafür wurde er mit Auszeichnungen bedacht, darunter 1985 der Ehrenschild mit goldener Nadel der Stadt Wanfried, die ihn 1997 auch zum Ehrenbürger ernannte. Nach der Grenzöffnung wurde es stiller um Altenburschla und Karl Montag. Jetzt hat der Sheriff den Stern endgültig abgegeben.

Von Helmut Mayer

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