Wanfried: Kommission überprüft, ob Einsparvorschläge der Verwaltung umsetzbar sind

Sparziel: 269 Euro je Bürger

Wanfried. 269 Euro muss die Stadt Wanfried bis 2020 pro Einwohner einsparen. „Auf dem Papier haben das die Verwaltungskollegen Christoph Hoffmann und Mario Hunstock schon geschafft“, sagt Bürgermeister Wilhelm Gebhard. Dafür haben sie aber auch das Schwimmbad geschlossen, alle freiwilligen Leistungen der Stadt für die Vereine gekürzt und die Steuern erhöht.

Das soll aber nicht die Folge sein, wenn das Parlament im Dezember zustimmt, unter den Kommunalen Schutzschirm zu treten. Deswegen wurde eine Kommission gegründet, die die verwaltungsökonomischen Einsparungen auf ihre Vertretbarkeit hin überprüfen wird.

Vertreter aus allen drei Fraktionen, zwei Mitglieder des Magistrats sowie Bürgermeister Gebhard und Stadtverordnetenvorsteherin Jutta Niklass haben sich in diesem Sommer bereits zehnmal getroffen, um die Vorschläge der Verwaltung abzuwägen.

Schulden in Höhe von 4,133 Millionen Euro würde das Land Hessen der Stadt Wanfried abnehmen, wenn sie es schaffen, den Haushalt auszugleichen. Das spart der Stadt jedes Jahr allein Verbindlichkeiten in Höhe von 80 000 Euro. Bei rund 1,2 Millionen Euro liegt das Jahresdefizit zurzeit. „Wenn wir uns nicht weiter verschulden und das Kassenkreditvolumen nicht weiter ansteigt, bekommen wir wieder Luft zum Atmen“, sagt Gebhard. Er bedauert aber, dass sich erst jetzt so intensiv mit einem drastischen Sparkurs beschäftigt wird. Seit 2002 legt die Stadt Wanfried Jahr für Jahr defizitäre Haushalte vor. „Wären wir uns früher der Gefahr bewusst gewesen, wären die Einsparmaßnahmen jetzt nicht so extrem“, sagt Gebhard. Die Kommission hat die Sparvorschläge aus der Verwaltung nach drei Kriterien überprüft. Besteht Konsens über die Einsparung, muss sie überprüft werden oder wurde sie abgelehnt. Während der Sommerpause des Parlaments wurden Sparmaßnahmen in den Fraktionen diskutiert. Ein Endergebnis gibt es noch nicht. Auffällig bisher: Kommission und Fraktionen sind sich in vielen Punkten einig.

Bis Ende des Jahres muss das Parlament entschieden haben, ob es Sinn macht, sich unter den Schutzschirm zu begeben. Die Bürger, die die Rechnung am Ende zu tragen haben, dürfen nicht mitentscheiden. Die Stadt Wanfried will sie auf dem Laufenden halten. Vor der Abstimmung im Parlament wird es eine Informationsveranstaltung geben. „Wir haben die schwerste Entscheidung seit Jahrzehnten zu treffen“, sagt Gebhard.

Von Tobias Stück

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