Ein Turm mit Problemen

Unsere Heimat von oben (1): Blick vom Plessefelsen bei Wanfried

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Die Aussicht vom Plesseturm von links nach rechts: Zuerst der Karnberg und der Muhlienberg bei Wanfried, dahinter erkennt man den Heldrastein in Thüringen, noch weiter dahinter den Inselsberg. Im Tal liegt Wanfried, dahinter der Schlierbachswald, die Graburg und Boyneburg. Über dem Eschweger Becken erheben sich die Blaue-Kuppe und die Leuchtberge, dahinter sieht man den Hohen Meißner. Ganz rechts liegt der Hülfensberg im Süd-Eichsfeld. 

Wanfried. In unser Sommer-Serie gehen wir hoch hinaus: Mit dem Blick von oben erzählen wir aus jeder Kommune im Kreis eine Geschichte: In unserem ersten Teil waren wir auf dem Turm am Plessefelsen bei Wanfried. 

Einst waren es 40 Meter hohe Lärchen. Bis der Forstbeamte Dieter Schnell diese vier gleichgroßen Bäume auswählte, die Stützen des neuen Plesseturms zu werden. Jetzt, rund fünf Jahrzehnte später, ist es dieses Holz, das den Wanfriedern Sorge bereitet. Denn der Aussichtsturm ist baufällig geworden. Seit über einem viertel Jahr darf er nicht mehr betreten werden. Dabei ist der Turm nicht nur eines des Wahrzeichen und höchster Punkt der Stadt, sondern auch ein touristischer Anziehungspunkt.

Die Anfänge

1884 wurde der erste Aussichtsturm auf der Plesse errichtet. Neun Meter hoch war das Konstrukt, das der Werratalverein „Sektion Wannfried“ initiierte. Die Anregung und Ausführung des ersten Aussichtsturms sind laut Eschweger Tageblatt dem Königlichen Oberförster Mittelacher und dem Bauunternehmer Besser aus Wanfried zu verdanken. 1959 wurde dieser wegen Baufälligkeit gesperrt und 1961 abgerissen.

Der zweite Turm

Der Werratalverein wollte sich direkt um die Wiedererrichtung eines Turmes kümmern. Die Kosten waren aber zu hoch. Mit Fördermitteln organisierte Bürgermeister Erich Thomas den Bau, den Zimmermann Karl Wetzestein übernahm. Die Lärchenstämme bildeten die vier 21,50 Meter hohen Eckständer. Am 14. Mai 1964 wurde der Turm eingeweiht. Die Gesamtkosten hatten sich auf 36 000 Euro belaufen.

Der Blick

Aus einer Höhe von über 500 Metern kann man das Werratal von Treffurt bis nach Eschwege überblicken. Die Plesse selbst ist rund 480 Meter hoch, der Turm etwa 22 Meter. An besonders guten Tagen bietet sich ein Rund-um-Blick über das Südeichsfeld, Hainichwald, Thüringerwald mit dem Inselsberg, Heldrastein, Schlierbachswald, Meißner, Hülfensberg und den Harz mit dem Brocken. Besonders deutlich sind Wanfried, Völkershausen, Frieda, der Werratalsee, Niederdünzebach und die Leuchtberge zu erkennen.

Das aktuelle Problem

Seit Mitte März ist der Turm gesperrt. Die Stadt Wanfried reagierte damit auf ein Gutachten der Dekra, die den Turm im Auftrag des Magistrats untersucht hat. Die Gutachterin kommt zu dem Ergebnis, dass die Standsicherheit und die Verkehrssicherheit des Bauwerks erheblich beeinträchtigt ist. Die gesamte Holzkonstruktion des Plesseturms ist gekennzeichnet von der Verwitterung der Holzprofile und des Holzschutzes, einhergehend mit Rissen, Abwitterungen, Versprödungen, Absplitterungen und zum Teil von Fäulniserscheinungen. Das Erdgeschoss ist weiterhin zugänglich, der Aufstieg zum Turm wurde verschlossen.

Eine mögliche Lösung

Der Magistrat wird jetzt eine Lösung erarbeiten. Dafür gibt es mehrere Optionen. Von einer Sanierung, die wahrscheinlich 30- bis 40 000 Euro kosten würde, rät der Statiker derzeit ab. Die Stabilität würde leiden, außerdem könnten die Probleme wieder auftreten. Ein kompletter Neubau wäre deutlich teurer als die Reparatur. Geld, dass die Stadt nicht hat. Zurzeit stehen rund 15 000 Euro an Spendengeldern zur Verfügung, die durch den Verkauf der Stufen gesammelt wurden. „Im Magistrat besteht aber Einigkeit, den Aussichtspunkt zu erhalten“, sagt Bürgermeister Wilhelm Gebhard.

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