Flüchtlinge kochen für Grundschüler

Ein Festmahl für die Freundschaft

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Ein Festmahl für die Freundschaft

Wanfried. Der Duft, der am Donnerstagmorgen über den Schulhof der Gerhart-Hauptmann-Schule in Wanfried wehte war diesmal ein ganz anderer.

Statt deutscher Landluft hielt ein Hauch von großer weiter Welt Einzug auf dem Pausenhof. Muskat oder Kardamom gehörten ebenso dazu wie Knoblauch oder Zwiebeln. Die aus Syrien und Afghanistan stammenden Wanfrieder Flüchtlinge hatten gekocht und ihre landestypischen Gerichte mit den Grundschülern geteilt, in deren Gebäude sie sich regelmäßig zum Deutschunterricht treffen.

Über 20 Männer und Frauen aus Afghanistan und Syrien kommen regelmäßig zum Deutschlernen zusammen. Viermal in der Woche unterrichten die ehemaligen Grundschullehrerinnen Ingrid Hosbach und Valeska von Hagen sowie die Dolmetscherin Annegret Arndt abwechselnd die Vertriebenen. 60 Stunden lang wurden sie dafür von der Volkshochschule finanziert. „Das Kontingent ist längst aufgebraucht“, berichtet Ingrid Hosbach. Jetzt machen die drei ehrenamtlich weiter. Die in Wanfried gestrandeten Flüchtlinge sind glücklich darüber.

Die Koch-Aktion war eine Idee der Schulsekretärin Manuela Gerhardt. Den Pädagoginnen passte sie gut ins Konzept. Sie haben gleich mehrere Unterrichtseinheiten daraus gemacht. Die Vokabeln für die Zutaten, eine Einkaufsliste schreiben und auch der Gang zum Supermarkt gehörte dazu. „Einen ganzen Vormittag lang haben wir eingekauft, weil es viel zu lernen gab“, sagt Ingrid Hosbach.

m Donnerstagmorgen um acht Uhr hat sich die Gruppe dann zum Kochen getroffen. Innerhalb von vier Stunden haben sie ein Essen für rund 180 Grundschüler zubereitet. Gefüllter Blätterteig, Fleischbällchen, selbstgebackenes Brot, scharfe Soßen, Salate, Spinat, Gemüse, Reis und vieles mehr kamen hervorragend an bei den Kindern. „Meine größte Sorge war, dass es den Kinder nicht schmeckt“, erinnert sich Ingrid Hosbach. Diese Befürchtung war unbegründet. Alle waren begeistert und schlugen kräftig zu bei den neuartigen Geschmackserlebnissen. „Es war ein sehr harmonisches Essen ohne Berührungsängste“, sagt Rektorin Stephanie Stück, die den Deutschkurs bei der Ausrichtung unterstützt hat. Es sei bemerkenswert zu sehen gewesen, wie problemlos die Kinder mit den neuen Kulturen umgegangen seien. An der Gerhart-Hauptmann-Schule werden zurzeit insgesamt vier Flüchtlingskinder aus Wanfried und Weißenborn unterrichtet. Auch hier gebe es keine Probleme.

Ein Festmahl für die Freundschaft

Beim anschließenden Aufräumen seien die erwachsenen Deutschschüler genauso diszipliniert gewesen wie im Unterricht. „Es ist eine sehr homogene Truppe, die gut miteinander kann“, berichtet Ingrid Hosbach, die am häufigsten in der Klasse unterrichtet. Mittlerweile sei man wie eine große Familie zusammengewachsen. Dass ihnen das gemeinsame Kochen und die Bewirtung gefallen haben, haben die Flüchtlinge immer wieder deutlich gemacht. Und auch der Schule hat die Aktion gefallen. „Das wiederholen wir“, sagte Stephanie Stück. Die nächste neue gemeinsame Aktion ist schon geplant. Zusammen will man wandern gehen.

Von Tobias Stück

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