Gruppe beteiligt sich am vierten bundesweiten Treffen der Friedens-Mahnwachen

Wanfrieder Gruppe beteiligt sich an Friedens-Mahnwachen

Zwei Tage für den Frieden: In Wanfried trafen sich am Wochenende 40 Teilnehmer aus ganz Deutschland, um über die Organisation von Friedens-Mahnwachen zu diskutieren und eine gemeinsame Erklärung zu erstellen. Fotos: privat

Wanfried. 40 Mitglieder von Friedens-Mahnwachen aus vielen deutschen Städten haben sich am Wochenende in Wanfried getroffen, um ihre gemeinsamen Positionen zu beraten und zu beschließen.

Unter ihnen war auch der Initiator der Friedensmahnwachen aus Berlin, Lars Mährholz, und der Vizepräsident der ältesten internationalen Friedensorganisation der Welt, des International Peace Office, Reiner Braun. Das Treffen fand in den Räumen einer ehemaligen Fabrik in Wanfried statt, in der zurzeit das Think-Tank Wanfried (zu deutsch: Denkfabrik Wanfried) entsteht.

Die Friedens-Aktiven berichteten zum Auftakt der Tagung über die Mahnwachen in Städten wie Berlin, Hamburg, München und Dortmund, aber auch kleineren Orten, wie Bad Segeberg oder Plauen.

Am zweiten Tag standen die Diskussion der Organisation und Strategie der Mahnwachen auf überregionaler Ebene auf der Tagesordnung und die Festlegung der gemeinsamen Ziele. Wolfgang Lieberknecht von Think-Tank Wanfried erläuterte in einer einleitenden Präsentation, dass man etwas Schlechtes, Krieg, Gewalt und Kriegsgefahr nur überwinden kann, wenn man nicht nur dagegen protestiert, sondern auch Ziele entwickelt, wie es besser sein kann.

„Eine gute Vorstellung, wie die Welt sein soll, ist heute sogar Völkerrecht, allerdings halten sich die Staaten nicht an ihre Verpflichtungen“, sagt er. 1945 hätten die Gründungsmitglieder der UNO (Vereinten Nationen) beschlossen, die Geißel des Krieges von der Welt zu verbannen, Gewalt und Krieg zu verbieten und nur noch friedliche Wege der Konfliktlösung zuzulassen. „Das steht in der UN-Charta, die eine für alle UNO-Mitglieder verbindliche Verfassung ist“, betont Lieberknecht.

Reiner Braun

1948 seien die Staaten noch einen Schritt weitergegangen und konkretisierten die globale Verfassung mit der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, die die Staaten zur Zusammenarbeit im Interesse der Menschen verpflichtet, damit jeder weltweit menschenwürdig leben kann, mit dem Recht auf Arbeit, Selbstbestimmung und sozialer Sicherheit, in Frieden und Gerechtigkeit.

Die Mahnwachen für den Frieden beschlossen auf dieser Grundlage, sich für die Umsetzung der UN-Charta und der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte einzusetzen und sie von den Staaten einzufordern. Schwerpunkte der Arbeit der Mahnwachen ist das Werben für Frieden und Gewaltfreiheit, die Gewährleistung des Menschenrechts auf Asyl, für ein gerechtes und nachhaltiges Wirtschafts-, Finanz- und Geldsystem, für frei zugängliche und aufklärende Bildung und Informationen, für eine umweltschonende Energiepolitik, für wirkliche Demokratie und freie und objektive Berichterstattung sowie unabhängige Medien.

In der Tagungsstätte, in Wanfried und der hiesigen Landschaft fühlten sich die Teilnehmer so wohl, dass sie auch aufgrund der zentralen Lage vorschlagen, den Think-Tank Wanfried öfters als Treffpunkt zu wählen. Ein nächstes Treffen der Mahnwachen wird es im Juli wieder in Wanfried geben. Ein Treffen zum Aufbau von Verbindungen zu den Friedensgruppen in anderen Ländern organisiert der Think-Tank Wanfried schon in diesem Monat, vom 24. bis 26. April. (red/dir)

Die Wanfrieder Erklärung 

Allgemein:

• Die Mahnwachen und die aus ihr entstandenen Gruppen sind Teil des Aufbruchs von neu politisierten und friedensaktiv gewordenen Menschen, wie sie seit Frühjahr 2014 bestehen. Wir verstehen uns als Teil der Friedensbewegung.

• Die Mahnwachen sind eine globale Bewegung. Das zeigen Friedensaktive in Deutschland, in Österreich, in der Schweiz, in Spanien, in den USA, in Kanada und in einigen anderen Ländern!

• Wir stehen für Transparenz, Gleichheit und ein friedliches Miteinander von Menschen jedweder Ethnie, Herkunft, Glaubensrichtung und sexuellen Orientierung.

• Dafür stellen wir seit über einem Jahr jede Woche in vielen Städten in Deutschland eine Plattform für wechselseitige Kommunikation, thematische und kulturelle Beiträge zur Verfügung.

Wir stehen ein:

• Für Frieden und Gewaltfreiheit zwischen allen Menschen, in unseren Städten und Dörfern, zwischen den Staaten und Institutionen. Gewalt und Krieg dürfen kein Mittel der Politik sein. Faschismus, Rassismus und Diskriminierung sind mit Frieden grundsätzlich nicht zu vereinbaren. Asylrecht für alle Flüchtlinge gemäß der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte.

• Für ein gerechtes und nachhaltiges Wirtschafts-, Finanz- und Geldsystem mit dezentralen und kooperativen wirtschaftlichen Strukturen, getragen von einem reformierten System der Wert- und Geldschöpfung.

• Für frei zugängliche und aufklärende Bildung und Informationen, die eine freie Entfaltung und pluralistische Vielfalt fördern - sie sind der Schlüssel zur Selbstverwirklichung und friedlichem Miteinander und Bekämpfung von Hunger und Armut weltweit.

• Für eine umweltschonende Energiepolitik, eine Energiewende auf Basis erneuerbarer Energien und eine dezentrale Energieversorgung. Unser Einkauf ist der Stimmzettel im modernen Alltag: Bewusstes Konsumverhalten für einen verantwortungsvollen Umgang mit Tieren und Pflanzen.

• Für wirkliche Demokratie - Transparenz ist Grundlage jeglicher politischen Willensbildung. Das Wohl jedes Menschen ist dabei oberstes Ziel unseres Handelns.

• Für eine freie und objektive Berichterstattung und unabhängige Medien. Für Meinungsfreiheit und Netzneutralität.

• Wir laden alle Menschen dazu ein, sich für diese Ziele einzusetzen und die oben genannten Punkte gemeinschaftlich umzusetzen und weiterzuentwickeln.

• Wir suchen dafür auch die Vernetzung mit allen zivilgesellschaftlichen Kräften, die unsere Überzeugungen und Ziele teilen. (red/dir)

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