Wasserburg in Aue ist Hessens kleinstes Museum

Eine Vielzahl an Funden: Hans-Jürgen Germerodt vom Heimatverein Aue führt Wanfrieds Stadtverordnetenvorsteherin Jutta Niklass durch Hessens kleinstes begehbares Museum. Dafür müssen sie sich nur einmal im Kreis drehen. Foto: Weber

Aue. Es ist nur ein Raum. Wenn sich vier Personen darin aufhalten, wird es schon eng. Ab der fünften Person ist der Raum im Grunde überfüllt. Hessens kleinstes begehbares Museum ist nur vier Quadratmeter groß. Es befindet sich seit diesem Wochenende im Turm der Wasserburg in Aue.

Doch der Besuch lohnt sich, denn auf dieser kleinen Fläche werden eine Vielzahl erstaunliche Funde gezeigt, die das Alltagsleben einer Burg im ausgehenden Mittelalter und der frühen Neuzeit illustrieren. Urkundlich erwähnt wurde die Wasserburg in Aue zuerst 1272. Vierhundert Jahre später, 1635, als der 30-jährige Krieg auch im Werratal tobte, wurde sie von kroatischen Truppen geplündert und schließlich angezündet. Die Burg brannte ab, die Reste fielen zusammen und blieben als Schutthaufen liegen, sodass heute nur noch die steinernen Untergeschosse stehen. Für die Archäologen war es ein Glücksfall.

Führungen auf Anfrage

Der Unterhalt der Burg ist kostenintensiv. Der Heimatverein Aue benötigt das Geld dringend. Zurzeit kann das Museum nur inklusive einer Führung und auf Anfrage beim Heimatverein Aue besichtigt werden.

Die Arbeitsgemeinschaft Ur- und Frühgeschichte der Volkshochschule in Eschwege grub 13 Jahre lang unter der Leitung des Archäologen Dr. Karl Kollmann aus, was sich unter dem Schutt verbarg. Viele Ehrenamtliche, auch die Männer des Heimatvereins Aue, investierten unzählige Stunden ihrer Freizeit, um bei der Grabung zu helfen. „In jedem Mann steckt doch irgendwie ein Schatzgräber“, sagt etwa Robert Köcher augenzwinkernd. Und die Schätze, die sie geborgen haben, machen die Männer sichtlich stolz.

In Hessens kleinstem begehbaren Museum werden die bedeutendsten Funde nun gezeigt. Etwa die grün und schwarz-glasierten Kacheln der beiden Öfen. Diese sind beide mit biblischen Motiven verziert. Und Kuriosa lassen sich darauf entdecken: etwa ein Moses mit Teufelshörnchen. Die Kachelöfen geben aber auch Antworten. Das Gebäude, dessen Grundfläche gar nicht so groß war, muss zwei Geschosse gehabt haben, die beheizbar waren.

Der Turm der Burg gehört eigentlich gar nicht zum Ensemble. Er wurde 1920 aus dekorativen Gründen errichtet. „Da dachten wir uns, wenn er schon da ist, kann man ihn auch einer Nutzung zuführen“, sagt Hans-Jürgen Germerodt, Vorstandsmitglied des Heimatvereins. Deshalb wurde er nun als Museum eingerichtet. Die Fundstücke wurden mit Mitteln aus Spenden aufwendig restauriert - etwa der Sparkasse Werra-Meißner, die einen großen Betrag spendete, der VR-Bank, der Sparda-Bank und vielen privaten Spendern. „Wir sind auch den unzähligen Kleinspendern sehr dankbar, die bei Besuchen unseren Ritter befüllen“, sagt Germerodt. www.wasserburg-aue.de

Hessens kleinstes Museum in Aue

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