Weser-Anrainer sammeln in Wanfried Erfahrungen über Leerstandsbekämpfung

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Informierten sich über den Kampf gegen den Leerstand. Karl-Christian Schelzke (links) neben Bürgermeister Gebhard, Dr. Helga Jäger (4. v.l.) und Bürgermeister Ulrich Otto (rechts).

Wanfried. Eine Gruppe aus Bad Karlshafen ließ sich jetzt erklären, wie die Wanfrieder ihr Vermarktungskonzept leben.

Es gibt zwei Gemeinsamkeiten, die Wanfried und Bad Karlshafen verbindet. Während die eine Stadt den östlichsten, die andere den nördlichsten Rand Hessens ziert, haben beide einen historischen Hafen und beide Städte haben mit Leerständen und Abwanderung innerhalb ihrer Städte und den Stadtteilen zu tun. Doch eins hat Wanfried Bad Karlshafen voraus: Zehn Jahre Bürgergruppenarbeit zum Erhalt und zur Wiedernutzung des historischen Baubestandes.

Die Besucher

Einfach mal ansehen und anhören, wie es die Nachbarn machen. Diese simple Idee ist immer wieder Grundlage für Diskussionsrunden und Vorträge mit Wanfrieds Bürgermeister Wilhelm Gebhard und Mitgliedern der Bürgergruppe für den Erhalt Wanfrieder Häuser. Gebhards Kollege, der parteilose Bürgermeister Ullrich Otto aus Bad Karlshafen, ließ sich am vergangenen Freitagvormittag vor Ort erörtern, wie die Wanfrieder ihr Vermarktungskonzept leben. Gemeinsam mit Vertretern aus dem Bauamt, der Hessen Agentur, dem Wasserkraftwerk, Stadtverordnetenvorsteher, aus CDU und AfD-Fraktionen, Mitglieder aus Heimat- und Bürgervereinen, Zimmermeister, Werbefachmann und der Bad Karlshafen GmbH, verfolgten sie den zweistündigen Vortrag Gebhards über die Situation der Stadt vor und nach der Bürgergruppengründung.

Erfolge

„Im Ergebnis haben wir sehr viel erreicht, die Stimmung innerhalb der Bevölkerung ist besser geworden, die Umsätze der Handwerker gestiegen, 53 Leerstände haben wir aktiv beseitigt und die Einnahmen für die Stadt verbessert“,berichtete Gebhard. Dass die Stadt trotz der positiven Entwicklung unter den sogenannten „kommunalen Rettungsschirm“ treten musste und der Bürgerschaft erhebliche Steuererhöhungen zugemutet werden, ist für Gebhard eine unumgängliche gemeinsame Anstrengung, die defizitäre Haushaltslage in den Griff zu bekommen. „Wir schließen das Haushaltsjahr 2015 mit einem Plus ab und auch 2016 ist ein Überschuss zu erwarten“, sagte er.

Vorbildfunktion

An der Werra ist das bereits im Fluss, was an der Weser noch angeschoben werden soll. Einen Anstoß für eine Diskussion und den Besuch der Delegation aus 20 Personen hatte Dr. Helga Jäger, Referatsleiterin Städtebau und Städtebauförderung im Hessischen Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, gegeben. Was in Wanfried von Bürgern initiiert und auch von der Stadt mitgetragen wird, ist beispielgebend für alle hessischen Gemeinden, die sich aktiv um die Vitalisierung ihrer Ortsmitten bemühen“, betonte Dr. Helga Jäger. In einem vorangegangenen Telefonat mit Bürgermeister Gebhard hatte sie darum gebeten, den Gästen einen Überblick über die Zusammenarbeit von Stadtverwaltung und ehrenamtlicher Bürgergruppe zu geben. Diesen Wunsch erfüllte Gebhard gern und eloquent, denn nach etwa 150 Vorträgen über diese Initiative und hunderte Gespräche mit Bürgern, Neubürgern, Gästen der Stadt und Interessenten für Häuser mitten in Deutschland, weiß er auf beinahe jede Frage eine konkrete und umsetzbare Antwort.

Profitmöglichkeit

„Gestaltung geht nur mit dem Bürger“, sagte Karl-Christian Schelzke, Direktor des Hessischen Städte- und Gemeindebundes nach der Powerpoint-Präsentation und anschließender Diskussion. Vor allem die aktive Bürgerschaft sah Schelzke als Mittel zum Erfolg an. Die müsse von innen und außen anerkannt und getragen werden, so Schelzke, der leidenschaftliche Bürger auch in Bad Karlshafen vermutet, die ihre Stadt auf ihre Weise auf den Weg in die Zukunft bringen können. Die Einladung zu einem Gegenbesuch der Wanfrieder nach Bad Karlshafen sprach Bürgermeister Otto aus. Nach Besichtigung des Fachwerkmusterhauses, wo die Bürgergruppenmitglieder Diana Wetzestein und Peter Geerk die Konzepte des Bauberatungszentrums erläuterten, durfte auch der Besuch am Wanfrieder Hafen nicht fehlen.

Mit einem gemeinsamen Mittagessen in der Gaststätte nahmen die Gäste Abschied und eine Portion Geschichte, gewürzt mit einer Prise Zukunft, mit in ihre Stadt, die noch eine Gemeinsamkeit mit Wanfried hat: Die Werra gilt als Quellfluss der Weser, beide Flüsse trugen einst den Namen Wisera, so, wie das Holzschiff am Wanfrieder Hafen.

Von Diana Wetzestein

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